(8)

Wir schöpfen aus der Leere. Die Leere ist unausschöpflich. Ein alles verschlingendes schwarzes Loch mit Goldrand.

(18)

Der Aberglaube, der mich einschränkt. Und wie ich mir selbst genüge. Scheinbar.

Ja. Nein. Vielleicht. Die fehlende Ruhe. Vertrauen. Sicherheit auch.

Immerzu will ich mehr sein, als ich bin. Also weniger. Und mein Geist füllt sich mit Leere. Bis er platzt.

Dann verliere ich den Überblick und gebe auf.

Joseph Brodsky

„…und schamanenhaft dreh ich mich im Raum,
wickle seine Leere wie Fäden leis
auf die Spule um mich herum,
daß die Seele etwas erfährt, was Gott allein weiß.“

Joseph Brodsky 1980

20. Juni

Wir haben still gehalten und fest gesessen, so merkten wir nicht die fehlende Unruhe, den fesselnden Halt. Alles war nur vermeintlich, aber weil wir so still waren, übertönte das Murmeln alles, und wir fühlten uns auf eine erhabene Weise bereit (selbst unsere Selbstlosigkeit auszuhalten, vielleicht sogar unsere immense innere Leere auszugestalten).

(40)

Die Träume, von denen ich nur noch weiß, dass sie erneut etwas ins Maßlose gesteigert haben.

Schonungslos in die Vergangenheit hineingehen, ich weiß nicht, ob ich das kann. Ob nicht all diese Widerstände, die ich jetzt schon so lange vor mir herschiebe, längst größer geworden sind als ich.

Wann habe ich das letzte Mal eine Gegend beschrieben, Geräusche oder Gerüche, ohne noch während des Wahrnehmens zu denken: in ein paar Monaten wirst du 49.

„Es gibt nur zwei Dinge: die Leere –

und das gezeichnete Ich.“ (Benn)

 

Wie kann es sein, dass mich das Gedicht schon berührt hat, bevor ich alt war, bevor ich auch nur im geringsten verstehen konnte?

Schweigen

Nach und nach verlernte sie zu sprechen. Erst gewannen die Worte eine eigene, mit anderen nicht länger zu teilende Bedeutung, dann verlernte sie die Laute.

 

Das Schlimmste war, dass es in diesem Zustand kein Schweigen gab, nur Leere, die sich immerzu aussprach. Durch sie.

 

Ilse Aichinger

„Ich halte es für wichtig, sich zurückzunehmen, selbst auf die Gefahr hin, dass alles ausbleibt.“ (Ilse Aichinger)

Und dann die leeren Stellen nachzeichnen, die Konturen, die sich ergeben beim Rückzug, der withdraw heißt in einer anderen Sprache und (nur) scheinbar das gleiche meint. Ein Rückzug mit Zeichen für die, die sie lesen wollen.

Sehen können, was wichtig hält.

Wenn etwas anderes ausbleibt.

Nämlich einfache Antworten, um die Leere zu füllen. [zu schließen mit vorschnellen Worten].