Surrealistinnen

Spätestens mit der neuen Beschäftigung mit Elisabeth Masé ist mir nochmals deutlich geworden, wie faszinierend ich surrealistische Bilder finde. Vielleicht auch, weil in keiner mir bekannten anderen Richtung Malerei und Literatur ein so enges Bündnis eingegangen sind.

Während die surrealistischen Maler sehr bekannt sind, weiß man jedoch allgemein wenig über die surrealistischen Künsterlinen, die ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt haben.

Der Surrealismus war eine männliche Domäne. Frauen hatten bestenfalls als Geliebte und Muse Zutritt zu diesem Zirkel, der sie naturgemäß besonders ansprach. Nicht der Männer, sondern der Thematik wegen.

Eine Thematik, die sich vielleicht am besten in einem Zitat von Lautréamont zusammenfassen lässt, das längst zum geflügelten Wort innerhalb surrealistischer Kreise geworden ist:

„wie die Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch“ (Lautréamont, die Gesänge des Maldoror, 6. Gesang)

Die Zwänge der Logik, der Kontrolle, des Folgerichtigen sind hier außer Kraft gesetzt. Die Vorherrschaft des Intellektes über das Unbewusste gilt nicht länger.

Man Ray war der erste, der die Quintesenz, die die Surrealisten aus Lautréamonts Schriften zogen, in ein Bild übersetzte, mit The Enigma of Isidore Ducase (dem bürgerlichen Namen Lautréamonts)

 

Frauen spielten als Musen, als Bild für Schönheit, als Geliebte und als Sinnbild für das Geheimnisvolle der Natur eine Rolle, aber immer unter Beibehaltung der männlichen Dominanz. Das Weibliche spielte eine große Rolle im Surrealismus, die Frau selbst jedoch nicht.

Spiele waren von zentraler Bedeutung für die Surrealisten. Eines der beliebtesten (und vermutlich auch bekanntesten) Spiele stammte von Yves Tanguy und nannte sich „Cadavre exquis“, die köstliche Leiche. Gemeinsam wurde eine Figur gezeichnet, wobei der Nachfolger nicht sehen konnte, was sein Vorgänger gezeichnet hatte, das das Blatt an dieser Stelle gefaltet wurde.

Die Surrealistinen spielten die Spiele der Männer eine Zeit lang mit, indem sie sich als Traumfiguren und Fantasiegeschöpfe malten. Dann jedoch emanzipierten sie sich von den männlichen Vorgaben.