Tempo

Ich rede zu langsam. Irgendwann habe ich mir angewöhnt, jedes Wort zu drehen und zu wenden, bevor ich es ausspreche. Die Zusammenhänge zu prüfen und nochmals zu überprüfen, bevor ich einen geschriebenen Satz sichtbar mache. Es ist nicht so, dass ich mir das Scheitern und Fehler machen verbiete, aber häufig bin ich vor lauter Skrupeln so langsam, dass die Diskussion vorbei ist, bevor es mir gelungen ist, eine Haltung dazu zu finden.

Tempo

Ich bin zu langsam. Und ich werde immer langsamer. Das macht mir manchmal Angst, manchmal finde ich es einfach nur schade, und fast die ganze Zeit wundere ich mich, warum das so ist. Wann das so geworden ist und ob es jetzt für immer so bleiben wird. Für eine Rezension, die gestern auf Signaturen erschienen ist, habe ich fast drei Monate gebraucht, ich habe den Band immer wieder gelesen, um doch noch irgendeinen Zugang zu finden, der über das Erkennen eines perfekt beherrschten Handwerks und einer großen intellektuellen Kraft hinaus geht. Es ist mir nicht gelungen. Was aber blöder ist als dass ich „Lehrgedichte“ nicht als solche erkenne, nachdem Daniela Seel diesen Begriff auf FB für Cojocarus Gedichte vorgeschlagen hatte, leuchtete dieses Etiket mir sofort ein, ist die Tatsache, dass ich die angeblichen „Fakten“, die ich in der Besprechung untergebracht hatte, nicht belegt habe. Das ist dumm und es wird mir eine Lehre sein.