Kiki Smith – Sky, Earth, Underground

Sky, Earth, Underground, Kiki Smith, 2011

Mein Lieblingsort in dieser Ausstellung; der kleine schmale Raum, in dem nur das Triptychon Sky, Earth, Underground, hing.

Ich mag diese Entwicklung, die sich in den Bildern abspielt. Die schwebend, leichte Stimmung von Sky, mit der sehr präsenten Frau, die scheinbar in den Himmel steigt, gemeinsam mit Tauben und Sternen. Alles ist friedlich und in einheitlicher Bewegung nach oben ausgerichtet. Zwei der Tauben tragen grüne Zweige im Schnabel. Das Gesicht der Frau; gelöst, glücklich.

 

Sky, fotografiert in der Kunsthalle Bielefeld, 2012

Im zweiten Teil, Earth, umrahmt eine Schlange das Bild. Eva ist undeutlich, beinahe geschlechtslos in ihrer Körperlichkeit. Es gibt eine Aufwärtsbewegung und Irritationen. Hürden, Fallen, einen Ast, der sich wie eine Schlingpfanze um „Eva“ legt. Das Bild ist auch von den Farben her erdiger. Pflanzen und Schmetterlinge scheinen in den Körper gewebt zu sein. Das Gesicht der Frau: unglücklich, fast grau.

Earth, Kiki Smith, Kunsthalle 2012

Underground ist das einzige Bild, auf dem ein Mann abgebildet ist. Die Bewegung zielt abwärts, aber viel unruhiger (chaotischer) als bei den vorhergehenden Bildern, auch die Farben tragen dazu bei, dass ein aggressiverer Eindruck entsteht. Die Körperfarbe scheint noch bleicher, die Augen sind geschlossen, als wäre der Mann schon tot. So dass noch eine weitere Entwicklung stattfindet, neben der Entwicklung von Bewegungen und Geschlechtlichkeit, nämlich eine Reduzierung von Emotionen und Lebendigkeit. Der Körper selbst sieht verletzt aus.

[Naturgemäß sagt diese Bildbeschreibung mehr über mich selbst aus, als über Kiki Smith und ihre Kunst.]

 

Underground, Kiki Smith, 2011

Kiki Smith

„Ich glaube, ich habe den Körper als Thema gewählt. Nicht bewusst, sondern weil er die Form ist, an der wir alle Anteil haben; die wir alle aus eigener Erfahrung kennen.“ (Kiki Smith)

Sky, Kiki Smith, 2011.

Kiki Smith meets Keith Waldrop

Born, 2002, Kiki Smith, Kunsthalle Bielefeld, November 2012

Ich wurde im Herbst geboren. In einem Wald.

Erst als mein Körper, nur von den Füßen abgesehen, den nährenden (verbergenden, behütenden) Leib verlassen hatten, bereute ich meinen Wunsch, geboren zu werden. Allein zu stehen, mich vom Mutterleib zu trennen. Da war es bereits zu spät.

Ich wusste noch nichts vom Wasser, aber in diesem Moment hörte ich auf, eine Welle zu sein.

Kiki Smith

Kiki Smith Rapture

Ich lebte jahrelang in der Haut eines Wolfes. Es ging mir nicht schlecht. Ich profitierte von seiner Stärke, dem Schrecken, den er unwillkürlich, allein durch seine Gestalt auslöste. Ich weiß nicht, wovon er profitierte, was ihn veranlasst hatte, diese Verbindung mit mir einzugehen. Vielleicht war er sich selbst leid. Vielleicht wollte er nichts mehr, als sich an jemanden zu verlieren. So verleibte er sich mich ein und wehrte sich nicht dagegen, dass ich ihn nach und nach aufsog, absorbierte, bis ich so groß und kräftig wurde, dass der Platz nicht mehr für zwei genügte.

Ich würde die Sprünge durch den Wald vermissen, sein gesträubtes Fell, wenn er Geräusche wahrnahm, lange bevor sie an mein Ohr drangen. Den Blutrausch, wenn er einem Opfer nachjagte.

Als sein Bauch allein durch meinen Willen aufbrach und ich der Hülle, die lange Zeit meine Heimat gewesen war entstieg, warf ich keinen Blick zurück.