Der Kern

Als wäre es eine Lösung, sich mit du anzusprechen, wenn man das ich vermeiden will. Jeder Mensch ist eine Zwiebel. Mehrere Schichten Haut und darunter noch mehr Haut, immer verletzlicher, aber standhaft im Versuch irgendeine Art von Schutz zu bieten. Und darunter, in unendlicher, unerkannter Einsamkeit, der Kern.

Ich weiß nicht, was ein Kern ist. Ich verliere mit jedem Tag die Eindeutigkeiten. Verliere mich? Wer bin ich? Wer bist du denn? Die Frage der selbsternannten, sogenannten Autoritätspersonen. Vielleicht wissen sie selbst nicht, was das bedeuten soll.

Entwicklung

Vielleicht ist es so: Wir werden geboren, und der Kern dessen, was wir sind, wer wir sind, liegt vollkommen ungeschützt da. Dann kommen die Jahre, in denen sich Schicht um Schicht um diesen Kern wickelt, und irgendwann der Punkt, wo wir beginnen, diese Verwicklungen wieder zu lösen, den Kern wieder frei zu legen. Und das nennt man dann Entwicklung.

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Es gibt keine Eindeutigkeiten. Das Selbst muss man loslassen, um frei zu sein. Sich selbst darf man nicht aus der Hand geben, um sich nicht zu verlieren. Beides ist wahr.

Ebenso verhält es sich mit der Gleichgültigkeit. Die mir das Gefühl von Freiheit gibt, die gleichzeitig das Schlimmste ist, was passieren kann. Ein Ende der Gefühle, ein Ende der Ambivalenz.

Ebenso hier im Blog. Das Exhibitionistische immerzu von sich zu reden, wahrgenommen werden zu wollen, während doch andererseits die Notwendigkeit besteht, unbeeinflusst von außen ernsthaft zu arbeiten. Abgeschlossen und geduldig.

 

Anfangen und dranbleiben. Weil alles da ist, und es nur darum geht, dran zu kommen, zu graben und dann den Staub, den Dreck abzuklopfen, bis das, was eigentlich ist, der Kern, sichtbar wird. Das Überflüssige entfernen, ohne den Kern zu beschädigen. Darum geht es beim Schreiben.

 

Das Leben ist irgendwo da draußen, wo einem die Überheblichkeit nicht in jeder Pore steckt.