Bedingungsloses Grundeinkommen

Darüber will ich schon länger etwas schreiben, habe angefangen zu recherchieren, aber immer wieder fehlt die Zeit. Trotzdem, so viel ist mir klar: das Problem ist nicht das fehlende Geld, um das Ganze zu finanzieren. Sondern die Verteilung. Vor einem kapitalistischen Hintergrund muss so ein Modell vermutlich immer scheitern, aber wer oder was hindert uns eigentlich so grundlegend und nachhaltig daran, über eine andere Gesellschafts- und Wirtschaftsform nachzudenken?

Demokratie oder Kapitalismus? – Wie wir in Zukunft leben wollen.

Diese Gesprächsrunde mit Alix Fassmann, Mark Terkessidis und Christian Felber wollte ich auf keinen Fall verpassen. Und ich war offensichtlich nicht allein mit diesem Vorhaben, die Schlange war lang und schließlich saßen über zweihundert Personen im Zelt, die vermutlich die Einsicht teilten, dass wir so nicht weiter machen können, mit Leistung und Profit, mit Gewinnmaximierung, Konkurrenz und Ausschluss, dass das einzige, was die Menschheit jetzt noch retten könnte, tatsächlich so etwas wie eine „Evolution des Bewusstseins“ sein müsste, wie Edo Popovic es formuliert hat. Eine Entwicklung hin zu Demut und Bescheidenheit. Ein Begreifen, was wir alles nicht brauchen.

An dieser Evolution arbeiten die drei Teilnehmer in unterschiedlicher Form. Alix Faßmann war Journalistin als sie das Angebot einer großen Volkspartei für ein Kommunikationsprojekt in der Politik erhielt. Mit dem Einblick in die eingefahrenen Strukturen der Politik und dem was hinter den heheren Projekten steht, stellte sie Arbeit, Karriere und ihr ganzes bisheriges Wertsystem in Frage. In Berlin wurde sie zur Mitbegründerin von Haus Bartleby – Zentrum für Karriereverweigerung, als Ort und Lobby für all die, die sich dem Anpassungsdruck von Arbeit und Karriere um jeden Preis entziehen wollen. Bartleby ist mit seinem Ausspruch „I would prefer not to“ Namengeber, weil sich in diesem Satz, dieser Haltung, eine höfliche, aber bestimmte Absage an das Funktionieren ausdrückt. Haus Bartleby setzt Zusammenarbeit gegen das Unbehagen, unter dem große Teile der Bevölkerung schon lange leiden.

Auch Mark Terkessidis setzt auf Zusammenarbeit. Er sagt: „Die entscheidende Zukunftsfrage ist: Wie stelle ich unsere Institutionen auf die Vielfalt der Gesellschaft ein?“ Was ihn wirklich wütend macht, ist das Gerede von „Alternativlosigkeit“. Natürlich stehen wir vor einer Vielzahl von Problemen, aber keines davon ist unlösbar. Der Ohnmacht und Unzufriedenheit, die die kapitalistischen Zustände hervorrufen, setzt Terkessidis Eigenverantwortung entgegen.

Christian Felber vertritt die Ansicht, dass der Kapitalismus Demokratie auf die Dauer ausschließt, weil Kapitalismus über kurz oder lang jede Demokratie instrumentalisiert. Der öffentliche Diskurs ist hier längst weiter als das, was auf politischer Ebene aufgenommen und diskutiert wird. Dort ist man noch immer bemüht, den Status Quo zu erhalten, bzw. wieder herzustellen.

Felbers Projekt besteht darin, den Kapitalismus in eine Gemeinwohlökonomie zu transformieren. Auch hier geht es um Selbstermächtigung, die dem angstgesteuerten Funktionieren entgegen gesetzt wird. Das Prinzip der Disziplin muss ersetzt werden durch Zusammenarbeit.

Es entspinnt sich ein kontroverses Gespräch darüber, wie die Basis für Beteiligungsprozesse aussehen muss, um möglichst viele Gruppen einzubeziehen. Alle drei verfolgen unterschiedliche Strategien, aber das Ziel ist dasselbe; eine Welt zu schaffen, in der wir miteinander leben statt gegeneinander funktionieren können.