Am Ufer steht eine Frau

Am Ufer steht eine Frau,

gebückt,

zusammengesunken, als hätten

ihre Knochen sich aneinander

geschmiegt, um besser der

Kälte zu trotzen, die von Jahr

zu Jahr heftiger angreift.

 

Jedes Jahr vier, fünf Möglichkeiten

weniger, sich aus den Zusammenhängen

zu winden, zu lachen

obwohl es weh tut.

 

Sie bewegt die Lippen,

zitternde Striche, die

Worte murmeln, die lauter sein

sollen, als die, die sie von selbst finden.

 

Der Wind reißt ihr die Laute

von den Lippen. Läuternd.

Berührt sie. Flüsternd.

Und sie schweigt.

Treibt hinaus

Kein Glanz,

nur ein offener Horizont.

(23)

Mein erstes Kinderbuch der Geduld.

Und der plötzlich hereinbrechenden Kälte.

Nicht mehr beschränkt auf die Suche.

Vielmehr versuchen den Mut für eigene vorläufige, vielleicht sogar falsche, Antworten zu finden.

Verregneter Novembernachmittag

Ein verregneter Novembermittag. Du gehst mit den Kindern auf den Markt. Sie packen ihre Stände zusammen, aber vorher verkaufen sie dir ein Brot, drei Paprika (das Rot und das Gelb, Grün der Kittel der Verkäuferinnen, rot-weiß die Markise und kein Geruch, nicht einmal der nach Regen, aber auch keine Kälte. Beweglich die Hände, die Augen und Gedanken. Das Klimpern des Geldes, die Augen der Kinder und die Weichheit ihrer Schritte), etwas Fleisch. Und wie damals (wie immer schon) bekommen die Kinder eine Scheibe Fleischwurst. Sie werden gefragt und sagen klar und deutlich ja. Dann geht ihr weiter durch den Regen und die Zeit geht mit. Ab und zu schwappt ein „Weißt du?“ an deine Ohren und dir ist klar, dass du längst nichts mehr weißt. Die Zeit ist vorbei als es noch gut und böse gab, richtig und falsch. Alles, was du jetzt von dir gibst, sind Vermutungen, Regeln, die du selbst längst nicht mehr beherrscht.

Viel später dann: Die Dunkelheit und Kälte draußen. Der Lärm und das Leben auch. Sitzt du in einem kleinen warmen Zimmer. Holzboden, schlichte Wände, Tisch und Stuhl. Dass einem so warm werden kann und behaglich. Ganz alleine. Und die Hoffnung heftet sich an das Vergessen. Und die Erinnerung daran. Der Oktoberklang unserer Nachmittage.

Der Weg zurück

Ihre Füße stehen in einer Pfütze. Niemand beachtet sie. Niemanden kümmert, dass ihre Lippen blau angelaufen sind von der Kälte, dass sie zittert, weil sie bis auf die Haut nass ist. Die Straßen sind menschenleer, und die Frauen hinter den Gardinen haben kein Interesse an schmutzigen fremden Kindern.

Käme jemand, müsste sie ihm ausweichen. Niemand wird sie suchen, auffordern nach Hause zu gehen, ein heißes Bad zu nehmen und trockene Kleider anzuziehen. Es hat lange gedauert, aber endlich hat sie vergessen, wo sie ist.

Selbst wenn sie wollte, würde sie den Weg zurück nicht finden.