Alter

Die Scham, alt zu sein, das Bewusstsein, weniger wert zu sein, weniger ansehnlich, weniger erwünscht, schon gar nicht begehrenswert. Coetzee schreibt in „Tagebuch eines schlimmen Jahres“: „Mein Anblick hat sie vielleicht auch erschreckt: ein zerknitterter Alter in einer Ecke, der auf den ersten Blick ein Obdachloser von der Straße hätte sein können.“

Wie wir den anderen unterstellen, Geschichten von unserer Minderwertigkeit zu erfinden, wie sicher wir sind, dass sie nur das Negative sehen, ganz sicher nicht das, worauf wir stolz sein könnten.

Die Kindheit Jesu – J.M. Coetzee

Die Kindheit Jesu ist ein Roman, der auf so vielen Ebenen gelesen werden kann, dass sein Potenzial unmöglich in einer einzigen Besprechung ausgeschöpft werden kann. Es geht um alles, um Glaube, Liebe, Hoffnung, aber auf der Grundlage der Fragwürdigkeit, wobei Coetzee die Würde der Fragen rehabilitiert. Vielleicht ist „Die Kindheit Jesu“ in erster Linie ein Roman über die Fragwürdigkeit. Unter den Antworten, mit denen wir selbstverständlich leben, liegen die Fragen, die immer wieder neue Geschichten erzählen.