Heimatlos

Heimatlos - Isla volante
Heimatlos – Isla volante

Das unfassbare Meer bringt den Duft träumender Matrosen. Männer, die sich hin- und herwiegen zwischen Heimweh und Fernweh. Die nirgendwo ganz zu Hause sind. Am wenigsten in sich selbst.

Staub

Wie Staub fällt mir die Zeit aus den Augen. Wir grenzen uns ab und ein. Das Strandgut der Gedanken, die durch mich hindurchfließen, während meine Füße im Sand versinken.

Staub - Isla volante
Staub – Isla volante

Wasserwesen

 

Meer - Wasserwesen - Isla volante
Meer – Wasserwesen – Isla volante

Ein Mann aus Lehm, der alles wusste, bis der Wind ihm einen Namen gab und er anfing zu vergessen. Und Franz hieß oder Walter und sich nur noch an das erinnerte, was geschrieben stand. Was erzählt wurde. Immer wieder, dieser seltsamen Singsang der Stimmen.

Was der Wind erzählte und die Jahreszeiten, die Felder und die Wolken, verstand er längst nicht mehr. Nur manchmal am Meer, wenn die Wellen wütend ans Ufer schlugen und salzige Körner auf seinen Lippen zurückließen, saß etwas in seinem Kopf, das lachend Steine und Muscheln warf, die sich weder hinunterschlucken noch ausspucken ließen.

Seine Tränen sammelte er in einer Konservenbüchse. Eines Tages würde er sie den Mädchen zeigen.

 

Schließ die Fenster, hatte sie gesagt, es wird ein Unwetter geben. Er hatte nicht aufgesehen und nichts gefragt. Kein Schulterzucken und die Nacht war längst hereingebrochen, die Kinder schliefen. Ihre Kinder.

Seine Kinder. Tags zuvor waren die Reste der Schwimmhäute abgefallen. Das war das letzte Zeichen.

 

Das Schlimmste war ihre Haut, die immer dunkler wurde, jeden Tag, an dem er die Frage nicht stellte. Schlimmer als der Tang und die Algen. Als der Geruch des Meeres, der den Poren entströmte, die grün schimmernde Kopfhaut unter den Haaren. Ihre Konturen verliefen, aber jede Nacht kreuzte sie seine Arme über der Brust.

 

Wie lächerlich, sagten die Mädchen, die längst keine Kinder mehr waren, als sie seine Tränen in der Dose sahen, ein durchsichtiges Gewässer über rostig rotem Grund.

Sie brauchte kein Wasser mehr, behaupteten sie, ihr waren längst Füße gewachsen.

 

Meer – Das Fließende

Meer - Das Fließende  Isla volante
Meer – Das Fließende
Isla volante

Es ist das Fließende, das uns bricht.

Die Übermacht der Belanglosigkeiten

der Gedanken, die über uns hinweggehen,

während wir unermüdlich Steine sammeln

um Brücken zu bauen

die nirgendwohin führen

unter denen wir Schutz suchen

im nächtlichen Gewitter

 

Zwischen den Steinen

flüchtig skizzierte Lebensläufe

die Illusion

sich an etwas festhalten zu können

Endzündliches Material

und einige Elemente Wasserstoff

Aber nichts, das hält.

Nur die Haltungsschäden

einer unbeugsamen Zeit.

Finger

Meer - Finger  Isla volante
Meer – Finger
Isla volante

 

Sie hatte schöne lange Finger und eine wunderbare Stimme. Wenn sie mir Märchen erzählte, war ich sicher, sie ist eine Meerjungfrau. Es war so etwas Trauriges an ihr, etwas, das mir das Gefühl gab, sie war niemals ganz hier.

Ein kleiner Makel. Wie an ihren langen Fingern. Eine Verunstaltung, die ihre Stimme manchmal kippen ließ.

 

 

Regeln

 

Meer - Regeln-  Isla volante
Meer – Regeln-
Isla volante

Wir haben die Regeln gebrochen, und jetzt stehen wir hier, die Hände in den Taschen und sehen der Brandung zu. So viel Gewalt. So viel Einklang.

So viel sowohl als auch.

Alles ein Kreislauf, und wenn wir wirklich ehrlich sind, kommt keiner von uns da raus.

 

 

Tränen

 

Tränen - Isla volante
Tränen – Isla volante

 

 

 

Das ist alles,was ich jetzt will: Blicke wechseln mit dem Wasser.

Den Wellen, die mein Spiegelbild zerreißen.

In jeder Träne, die ich vergieße,ist ein Teil von mir, und gleichzeitig ist jede Träne mein winziger (und gleichzeitig unentbehrlicher) Beitrag zu diesem Meer, das mein Spiegelbild mit seinen Wellen, seinen Bewegungen, zerreißt.

Das ist alles.

 

 

 

 

 

 

Ahoi

 

Ahoi - Isla Volante
Ahoi – Isla Volante

 

 

Wir lassen die Leinen los. Alle einfachen Erklärungen werfen wir über Bord und nehmen nur die Widersprüche mit auf die Fahrt. Die Zweifel in den Knochen steuern wir hart gegen den Wind. Unser Kapitän ist ein Kind, und sobald Land in Sicht kommt, drehen wir ab. Salz und Wind fressen sich in unsere Gesichter. Selbst die Möwen sind erstaunt über so viel Leichtsinn. Unsere Jugend haben wir nie für eine Tugend gehalten und das Alter nicht für einen Fluch. In unseren Geschichten gibt es weder Trost noch Trostlosigkeit. Sie halten uns aus, weil wir nicht an sie glauben. So wenig wie an den Wassermann, der das Steuer hält.