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Ich bin voller Neid. Auf die, die es vermeintlich besser machen. Besser schreiben, erfolgreicher sind. Statt zu lernen und zu bewundern, lehne ich ab.

Meine Geschichten sind seltsam, voller Stimmung, aber ohne Inhalt.

Alles hat seine Zeit – Karl Ove Knausgård

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Seltsam, wie jetzt Engel in mein Leben treten. Zunächst hat Graugans darüber geschrieben und nun dieses Buch von Knausgard. Dabei habe ich nie ernsthaft über Engel nachgedacht, ob ich an sie glaube, oder nicht. Nur, dass sie eher furchterregend als alles andere sein müssten, diese Vorstellung hatte ich seltsamerweise. Vielleicht weil sie in der Weihnachtsgeschichte ihre Verkündigung einleiten mit den Worten: „Fürchtet euch nicht“.

 

„Bekanntermaßen können die Engel jede beliebige Form annehmen“, schreibt Knausgard, „Weniger bekannt ist hingegen, dass die Form, die sie annehmen, für sie auch eine Bedrohung darstellt. Halten sie zu lange an ihr fest, beginnt die Form sie zu prägen, und falls sie die Warnsignale nicht erkennen, wird die Form sie schließlich vollends vereinnahmen.“

 

Natürlich drängt sich der Gedanke an Form und Inhalt auf. Zu langes Festhalten an einer Form würde also auch den Inhalt beeinflussen?

Daher immer aufs Neue die Suche nach einer anderen, angemessenen Form, um das Denken beweglich zu halten, neue Perspektiven zuzulassen.

Form

 

Es geht darum, eine Form zu finden. Nicht irgendetwas zu formen, sondern wahrzunehmen, und dann die wirklich entsprechende Form zu finden, oder herzustellen.

 

Susan Sontag „Kunst und Antikunst“

Gegen Interpretation

Ich habe vor einiger Zeit im Zusammenhang mit Mariana Abramovic schon einmal über dieses Buch gesprochen, über den Aufsatz „Gegen Interpretation“. Abramovic läuft immer noch nicht irgendwo in der Nähe, aber ich bin ja demnächst in Berlin und kann ihn hoffentlich dort sehen. Sontags Essay enthält aber so viele bedenkenswerte Gedanken, dass ich einige davon festhalten möchte.

Was ist der Wert von Kunst? Hat Kunst überhaupt einen Wert? Das ist die Ausgangsfrage und Sontag führt Plato an, der Kunst schlichtweg als Lüge bezeichnete, aber auch Aristoteles, der der Kunst immerhin einen „therapeutischen“ Wert zugestand, „da sie gefährliche Emotionen zutage fördert und läutert.“

Auch heute beherrscht diese Fragestellung die Einschätzung von Kunst. Es herrscht die Vorstellung, „daß das Kunstwerk mit seinem Inhalt identisch ist.“

Da der Inhalt dermaßen im Vordergrund steht, ergibt sich die Notwendigkeit der Interpretation, die dann wiederum die Vorstellung, dass es einen Inhalt der Kunst gibt, verfestigt.

Nun könnte man fragen, was denn bedenklich oder überhaupt bemerkenswert daran sein sollte, dass Kunstwerke interpretiert werden. Auf ein Werk einzugehen und es mit Sinn zu füllen, sollte doch genau das sein, was sich jeder Künstler wünscht.

Sontag setzt dem entgegen, dass die Interpetation den Text verändert, das Kunstwerk zähmt. Sie schreibt: „Wirkliche Kunst hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen. Indem man das Kunstwerk auf seinen Inhalt reduziert und diesen dann interpretiert, zähmt man es.“

Ihrer Meinung nach, wäre eine entgegengesetzte Herangehensweise die richtige: „Unsere Aufgabe ist es vielmehr, den Inhalt zurückzuschneiden, damit die Sache selbst zum Vorschein kommt.“

Und das sollte auch der Grundsatz sein, nach dem die Kritik arbeiten sollte: „Die Funktion der Kritik sollte darin bestehen aufzuzeigen, wie die Phänomene beschaffen sind, ja selbst, daß sie existieren, aber nicht darin, sie zu deuten.“

Aber ist das überhaupt möglich? Ist nicht die bloße Beschreibung, die Wiedergabe der Form, bereits Interpretation? Eine Verschiebung von der inhaltlichen zur formalen Interpretation?

Kunst ist, wenn sich der Inhalt in Form auflöst, wenn die Form den Inhalt in den Hintergrund treten lässt, erläutert Sontag in folgenden Aufsatz „Über Stil“ am Beispiel der Filme von Leni Riefenstahl, die in den gelungensten Fällen über Nazipropaganda hinausgehen. „Leni Riefenstahls Genie bewirkte, daß der „Inhalt“ – wenn auch vielleicht gegen ihre eigene Absicht – eine rein formale Rolle spielt.“