Am Ufer steht eine Frau

Am Ufer steht eine Frau,

gebückt,

zusammengesunken, als hätten

ihre Knochen sich aneinander

geschmiegt, um besser der

Kälte zu trotzen, die von Jahr

zu Jahr heftiger angreift.

 

Jedes Jahr vier, fünf Möglichkeiten

weniger, sich aus den Zusammenhängen

zu winden, zu lachen

obwohl es weh tut.

 

Sie bewegt die Lippen,

zitternde Striche, die

Worte murmeln, die lauter sein

sollen, als die, die sie von selbst finden.

 

Der Wind reißt ihr die Laute

von den Lippen. Läuternd.

Berührt sie. Flüsternd.

Und sie schweigt.

Treibt hinaus

Kein Glanz,

nur ein offener Horizont.

Pause

Pause - Isla volante
Pause – Isla volante

Wir schwimmen im kleinkarierten Bedauern unserer Ahnungslosigkeit. Unser Horizont ist nicht weit, aber immer begleitet vom Rauschen ungebetener Gedanken. Einmal im Jahr fahren wir ans Meer, um sie zu ertränken. Essen Fisch und bespötteln unsere Sparsamkeit. Und wenn wir langsam anfangen, uns daran zu gewöhnen, dass etwas uns trägt, fahren wir wieder nach Hause.

 

24. Januar

Die Literatur ist im Grunde genommen wie diese Sehnsucht nach einem den eigenen Horizont erweiternden Gespräch, aber hier wie dort ist es viel häufiger, dass lediglich längst Bekanntes endlos wiedergekäut wird. Häufig genug mit einem unangenehm überzogenen Selbstbewusstsein. Schwer zu entscheiden, wo die Grenze verläuft zwischen dem, was notwendig ist, um überhaupt gehört zu werden und dieser irritierend zur Schau gestellten Selbstliebe.

Vielleicht weil ich von dem einen zu wenig habe, erscheint mir das andere schnell zu viel.