Hingabe

Nachdem nun weitesgehend geklärt ist, dass Schreiben zwar nicht natürlich, aber sehr wohl notwendig ist, und vielleicht fast so etwas wie die zweite Natur des Menschen (obwohl das vielleicht schon ein Widerspruch in sich ist), sofern es mit Hingabe betrieben wird, erinnere ich mich an die Aufforderung einer Freundin, mich zu fragen, warum ich schreibe. Und endlich scheint eine Antwort auf, die mich befriedigt: Weil es etwas ist, dem ich mich vorbehaltlos hingeben kann. Das ist nicht jederzeit und unbedingt wahr, aber es ist ein Ziel, eine Möglichkeit, auf die hinzuarbeiten es lohnt. Etwas, das mich auch so rüde Absagen, wie die einer renommierten Zeitschrift hinnehmen lässt, die mir gestern per Mail mitteilte, meine Gedichte seien für diese Zeitschrift nicht geeignet.

Hingabe

 

Hingabe dachte sie, was für ein schönes, undurchsichtiges Wort. Undurchsichtig wie die Gesichter der Reisenden, der Wartenden. Nur die Kinder hatten klare Mienen, Gesichter, in denen man ohne weiteres lesen konnte. Weil die Kinder sich ganz dem Moment hingaben und nichts diese Hingabe störte. Sie erklärte sich dieses Phänomen mit einer Analogie. Ein Sender im Radio, der immun war gegen jegliche Störsignale. Aus der Vergangenheit, auf die Zukunft bezogen. Diese Wellen liefen durch die Köpfe der Erwachsenen. Das machte ihre Mienen so undurchsichtig.

Hingabe ist eine Fähigkeit, die man verlernt, dachte sie, und die Tatsache, dass sie mit diesem Gedanken das Wort „Hingabe“ ein wenig durchsichtiger gemacht hatte, erfüllte sie keineswegs mit Freude.