Lichtmuster

Die unterschiedlichen, über das ganze Haus verteilten, Lichtquellen. Die Unfähigkeit, Einzelheiten so zusammen zu fügen, dass sie einen Sinn ergeben, ein Muster. Eine von diesen überlebensnotwendigen Geschichten. Stattdessen einfach weitermachen. Wenig später das „einfach“ streichen und nur noch weitermachen.

Eine Altarkerze anzünden, aber längst keinen Wunsch mehr haben, den man mit der neu entzündeten Flamme verbinden könnte. Nur eine weitere Lichtquelle. In einem anderen Haus.

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Am Haus gegenüber steht seit einigen Tagen ein kanariengelber Einkaufswagen. Schnee fällt. Eine Frau mit schwarzen Haaren steckt ihren Kopf aus dem Fenster. Zwei kleine Jungen springen in die Luft, um die Schneeflocken zu fangen. Dann gehen sie zurück in das Haus, und stehen kurz darauf selbst am Fenster. Während der Schneefall dichter wird.

Das Haus

Ein Haus im Süden. Der Putz ist abgeblättert. Das Haus ist alt. Möglicherweise nicht mehr bewohnt. Ein stummer Zeuge für Geschichten, die sich in ihm abgespielt haben.

Die Frau wird das Haus kaufen. Koste es, was es wolle. Es ist ihr Haus. Das für sie bestimmte Haus. Sie hat ein wenig Geld. Nicht sehr viel, aber genug, dass man ihr Kredit geben wird, dass sie eine Hypothek aufnehmen kann auf das Haus. Sie ist krank. Sie wird nicht mehr lange leben. Das Haus ist ihr letzter Wunsch. Sie glaubt, dass man ihr diesen letzten Wunsch nicht abschlagen kann.

In der Nacht hat sie von einer Frau geträumt. Erfolgreich, schön und beliebt. Diese Frau hatte sich erschossen und während sie starb dachte die Sterbende: Und ich lebe noch. Noch immer.

Dann war es vorbei. Die Frau war tot, das Entsetzen über ihren Tod breitete sich aus.

 

Die kleine Frau zieht um

Wir sammeln Eindrücke, Farben, Stimmen. Die Fragen häufen sich an. Die kleine Frau lächelt. Wenn du genug gesammelt hast, sagt sie, bau ich dir aus deinen Fragen ein Haus. Es wird so schief sein, dass es jedem Sturm trotzt und nur wenn du so unbesonnen bist, ein Dach aus Antworten darauf zu setzen, wird dieses Haus dir eines Tages verloren gehen.

Das Haus

  

Man erzählt sich mancherlei. Von Brandstiftung ist die Rede, von einem Unfall, von Eifersucht, aber auch von Selbstmord.

Das Haus jedenfalls ist bis auf die Grundfeste abgebrannt. Es gibt keine Zeugen. Niemanden, der etwas bemerkt hat, nur das Mädchen, das nun verschwunden ist, und das vorher hier gelebt hat.

Allein.

Verlassen.

Vermutlich unglücklich.

Krank.

Aber das sind Spekulationen.

Dafür gibt es keine Beweise.

Und wenn es Beweise gegeben haben sollte, sind sie jetzt mit ihr verbrannt.