Für S.

Sich selbst an die letzte Stelle zu setzen, habe sie gründlich, von der Pike auf, gelernt, sagt sie. Und dass es nicht notwendig sei, ihr ein Gesicht zu geben, nur Hände, mit denen sie zupacken kann, streicheln, trösten, auffangen. Alle, die ganze Welt. Nur nicht sich selbst.

Möwen

Möwe(n)
Möwe(n)

Sie stand am Hafen, sah den Schiffen nach. Möwen, hatte sie kürzlich gelesen, seien früher einmal Engel gewesen. Unter ihren Flügeln fänden sich noch Reste der verkümmerten Hände, die sie nun nicht mehr brauchten.

Sie fragte sich, ob sie ihre Hände noch brauchte, und ob es vielleicht so einfach ist: Wenn sie sich sicher sein kann, ihre Hände nicht mehr zu benötigen, werden sie verkümmern und Flügel werden an ihrer Stelle wachsen.

Geister

Sätze geisterten durch meinen Kopf. Sie hatten mir die Zeit blutig eingetrieben. Diese Sätze: Dafür bist du zu alt. Streng dich an, andere kriegen das auch hin. Und besser noch als du.

Alle hatten ihre kleinen oder großen Talente, Leidenschaften, Pläne.

Ich hatte nur meine Hände. Überflüssig zu sagen: sie waren leer. Und vielleicht war es auch gar nicht so. Vielleicht hielten sie vielmehr das Nichts. Und wer hält das schon aus? Konnte ich mir darauf nicht etwas einbilden?

 

 

Die kleine Frau betrachtet ihre Hände

Ein Dorf, abgeschnitten von allen anderen Dörfern.

Darin ein Haus.

Ein Fenster. Eine Tür.

Darin eine Frau.

Ein Schweigen.

Eine Landschaft.

 

Erst muss man überlaufen, dann kann man streichen.

Wege bahnen.

Fenster schließen, um eine Tür zu öffnen.

 

Die kleine Frau betrachtet ihre Hände.

Alles ist voller Gegenwart, sagt sie.

Also haltlos.

Und trotzdem haben wir Hände.

Und wissen im Grunde genau wofür.

[Wortschau. Der fröhliche Wortberg.]

 

Hände

Hände - Isla volante
Hände – Isla volante

Als Kind war ich zu Hause in der Landschaft des Meeres, in der Wüste, die ja auch nichts anderes war als ein Ozean aus Sand und in den steinigen Gebirgen. Alles lag in meiner Hand, solange meine Hand in der meines Vaters lag.

Wo die Wünsche Wellen weichen

Wo die Wünsche Wellen weichen - Isla volante
Wo die Wünsche Wellen weichen – Isla volante

Der Blick aufs Meer. Die einzige Landschaft, die zurückblickt, in der die kleine Frau gerade deshalb versinkt. Ein Lied auf den Lippen, gewürzt mit Salz. Salziges Kreidefelsenlied. Das Lied, das nie so weit reist, wie die Augen. Ihre gefalteten Hände, geöffnete, gealterte Hände. Das Meer, das sie schaukelt, dem sie sich willenlos ergibt.