James Salter lesen und etwas über Besprechungen erfahren

Alles, was ist, von James Salter gelesen. Zunächst konnte ich die Begeisterung, die das Erscheinen des Buches damals begleitet hatte, nicht recht verstehen. Mich irritierte die Beiläufigkeit, mit der Katastrophen aufgezählt wurden, auch diese im wahrsten Sinne des Wortes gleichgültige Perspektive hat mich irritiert. Dennoch konnte ich mich dem Buch nicht entziehen, da war etwas, das es besonders machte. Und jetzt,  nachdem ich es zu Ende gelesen habe, habe ich eine Rezension auf Zeit online gelesen, die meine Irritation aufklärt. Das ist die Erfahrung einer wirklich gelungenen Rezension, die das Werk einordnet, die erklärt, welche Form gewählt wurde und warum. Also nicht nur ein gutes Buch gelesen, sondern auch ein Stück weit wirklich begriffen, was Besprechungen leisten können. Leisten sollten.

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Es gibt keine Eindeutigkeiten. Das Selbst muss man loslassen, um frei zu sein. Sich selbst darf man nicht aus der Hand geben, um sich nicht zu verlieren. Beides ist wahr.

Ebenso verhält es sich mit der Gleichgültigkeit. Die mir das Gefühl von Freiheit gibt, die gleichzeitig das Schlimmste ist, was passieren kann. Ein Ende der Gefühle, ein Ende der Ambivalenz.

Ebenso hier im Blog. Das Exhibitionistische immerzu von sich zu reden, wahrgenommen werden zu wollen, während doch andererseits die Notwendigkeit besteht, unbeeinflusst von außen ernsthaft zu arbeiten. Abgeschlossen und geduldig.

 

Anfangen und dranbleiben. Weil alles da ist, und es nur darum geht, dran zu kommen, zu graben und dann den Staub, den Dreck abzuklopfen, bis das, was eigentlich ist, der Kern, sichtbar wird. Das Überflüssige entfernen, ohne den Kern zu beschädigen. Darum geht es beim Schreiben.

 

Das Leben ist irgendwo da draußen, wo einem die Überheblichkeit nicht in jeder Pore steckt.