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Unsere Spiele und Lächerlichkeiten. Und meine alles zerstörende Unsicherheit.

Man müsste sich Fragen stellen, ohne den Antworten hinterher zu laufen. Vielmehr warten bis sie sich von selbst einfinden. Ihnen den Weg bereiten, ohne sie zu drängen. Es aushalten, dass es keine einfachen Lösungen gibt, keine Patentrezepte, dass es eine Zeit dauert und unbequem ist, schwierig und man dennoch weitermachen muss. Beharrlich und mit Geduld.

 

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Mein erstes Kinderbuch der Geduld.

Und der plötzlich hereinbrechenden Kälte.

Nicht mehr beschränkt auf die Suche.

Vielmehr versuchen den Mut für eigene vorläufige, vielleicht sogar falsche, Antworten zu finden.

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Die Zeit fließt. Ich stehe.

Etwas hält mich zurück, das viel stärker zu sein scheint als ich. Dabei ist es nur hartnäckiger. Geduldiger.

 

Und was bleibt nach dem Tod?

Nichts. Nur die Lebenden, die sich zulächeln, die sich erinnern. (Marguerite Duras, C´est tout)

 

Ich habe verlernt zu spielen. Oder ich habe nie ernsthaft genug gespielt.

Das eigentliche Schreiben ist eine Zärtlichkeit

Möglicherweise bin ich ungeduldig. Ebenso möglich erscheint mir die Annahme, dass das Buch, mein Buch, von dem ich so lange geträumt habe, von dem ich immer noch weiß, dass es gut ist, ein Flop ist. Nicht gebraucht, nicht gelesen, geschweige denn gekauft wird.

Das klingt, als wollte ich Zuspruch, Ermutigung. Sätze wie: du musst Geduld haben, das kommt schon noch, all die Beispiele von späteren Literaturnobelpreisträgern, deren erstes Buch ein totaler Reinfall war. Vielleicht will ich das auch. Aber eigentlich will ich etwas anderes. Viel Schwierigeres; nämlich an den Punkt kommen, an dem es mir egal ist. Wo nicht länger die Rezeption eine Rolle spielt, sondern nur noch das Geschriebene. Meine Haltung. Nur, dass das eigentliche Schreiben eine Zärtlichkeit ist (in Anlehnung an Fernando Botero).

05. November

Die Fäden wieder aufnehmen, bestimmte Motive, die sich durchziehen, das Muster ausmachen. Natürlich ist das auch so mit dem Leben. Die Einzigartigkeit der Muster und die Unfähigkeit, die Fäden zu entwirren. Bei sich selbst.

Geduld. Und dass das vielleicht in erster Linie bedeutet, dass man dulden soll, demütig hinnehmen, dass die Dinge sind, wie sie sind. Dass man selbst ist, wie man ist. Verworrene Fäden. Die dennoch zu einem Ziel führen. Hingabe und Entscheidung. Und wie das Verhältnis der beiden zueinander das Muster bedingt. Die Bereitschaft hinzusehen.

Statt sich blenden zu lassen.

Bereitschaft und Beschränkung.

Und wie das wiederum zusammenhängt.

Die Erfindung der Geduld

Vier Kinder an der Hand eines wurmstichigen Mannes
Was tun wir nun spricht eines
Und der Mann erfindet die Geduld
Wir tun so als könnten wir nicht sprechen sagt er
Und die Kinder sehen ihn an und nicken
Wie Wesen die restlos alles verstehen

09. Februar

Nachdem vorgestern den ganzen Tag lang ein seltsamer Nebel über dem Tag hing, gestern wieder Schnee und Sonne. In der Bibliothek nach weiteren Büchern von Hartmut Lange gesucht und auch fündig geworden. Er scheint auch einer von diesen Autoren zu sein, die ein ganz großes, zentrales Thema in ihren Büchern haben, das sie immer wieder von Neuem umtreibt.

 

Wie sich die Gedanken langsam, unendlich langsam zu einer Art von Erkenntnis, von Einsicht zusammenfügen wollen, und ich immer wieder Gefahr laufe, die Geduld (mit mir?) zu verlieren.

 

Und dann gibt es Menschen, mit denen man plötzlich nur noch eine Vergangenheit hat. Nicht einmal Gegenwart. Von Zukunft ganz zu schweigen.

Geduld, Geschichten, Alphabet

Die Geschichten, die fern bleiben, die Umrisse, die ich verwische, die Sehnsucht nach dem Meer, an dem der Horizont mit dem Wasser verschmilzt. Das Feststehende mit dem Beweglichen.

Es ist nur der Körper, so sagt man, der stirbt. Das Fleisch, das immer haltloser wird, verfällt und verfault. Die Energie, die sich schließlich ganz vom Körper gelöst hat (oder ist es der Körper, der sich mit Hilfe des Alters Stück für Stück von der Energie entfernt hat?), überlebt. Befreit wird sie wieder Teil einer großen allumfassenden Energie, in der es all diese beschwerlichen Unterscheidungen nicht gibt (jung und alt, männlich und weiblich, gesund und krank).

 

Was aber, und diese Frage taucht immer wieder auf, hat Geduld mit all dem zu tun? Oder ist Geduld nichts anderes als die Kraft, die man benötigt, um die Widerstände auszuhalten?

Dranbleiben, weitermachen, das eigene Scheitern immer wieder überwinden, sich auf Anfang und Ende einlassen, statt sich immer tiefer verschlingen zu lassen von den Spiralen, die immer tiefer in das Zentrum eines undefinierbaren Kreises führen. Weil die Antworten mit dem ersten Buchstaben des Alphabets am Anfang stehen und am Ende, mit Z, die Zweifel (der Zorn?).

 

Geduld

Geduld - Isla volante
Geduld – Isla volante

 

Wie viel Geduld man braucht, dachte sie, um diese Steine so vollkommen zu machen. Wie viel Ausdauer das Wasser braucht, und welche Zeitlosigkeit.

Vielleicht ist das Alter etwas ähnliches. Nur dass wir nicht sehen können, wo es seine Schönheit verbirgt, im unermesslichen Fließen der Zeit.