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Die Wege, die verloren gehen. Egal, ob wir sie betreten oder nicht. Alle Wege, alle Schritte, tragen bereits diesen Verlust in sich. Und das die Zukunft immer das Alter ist. Verfall, Krankheit, Tod. Was die Wahrheit ist, und gleichzeitig ein grundverkehrter Gedanke.

Festhalten

I

Sie ist eine Falte im Lauf der Zeit. Im Mantel der Erde.

Ein kleiner Faltenwurf, der ständig verzweifelt versucht, etwas zurück zu halten, fest zu halten, sich selbst nicht zu verlieren. Statt sich zu umarmen, damit sie die Welt umarmen kann, und nicht nur immer wieder ihre Erinnerung an die Welt, wie sie einmal gewesen ist.

 

Ein heftiger Regen ging nieder, und noch während des Regenfalls, bricht der Himmel auf, wird blau. Sie spürt ihr Blut zirkulieren, sieht wieder das verschlafene verschmitze Gesicht ihres Sohnes. Sieht sich selbst verschwinden.

 

Ich bin nur ein Gedanke. Auch der Schmerz ist nur ein Gedanke, an dem ich festhalte, weil ich fürchte sonst ins Bodenlose zu fallen. Keine Idee vom Fliegen. Um fliegen zu können, muss man loslassen. Etwas, das ich nie gelernt (oder sehr gründlich verlernt) habe.

 

II

All die Frauen, die kurzfristig in sein Leben getreten waren, und dann, leicht beschädigt, aber auch irgendwie geläutert, wieder daraus verschwanden, während er zurückblieb, verwundert. Nach wie vor die alten Wunden leckend.

08. November

Ich höre wie die Kaffeemaschine kämpft, als wären es meine Skrupel, mein alter Affe, der mich noch immer so gut im Griff hat, dass sich die Gedanken zurückziehen, hinter Handlungen verschwinden. (ich bin klein, anders kann es gar nicht sein).

Was soll ich mit diesem Schwall von Erinnerungen, der immer wieder überfallartig über mich hereinbricht?

Der zweithäufigste Gedanke: ich weiß nicht, ob ich das kann.

 

 

Vom Zufall der Gedanken

Ein Gedanke taucht auf. Vielmehr kein Gedanke taucht auf. Tauchsieder. Tauchgang. Meine automatischen Texte. Meine automatischen Verluste. Wer verliert, erleidet eine Niederlage. Keine angenehme Lage.

Mein Kopf ist eine verwitterte Mülltonne. Ich versuche der Sinnlosigkeit Herr zu werden. Ich halte mich an Redewendungen und versuche den leichten Schwindel auszukosten, den sie erzeugen. Der Sommer ist doch noch entstanden. Eine lange Entstehungsgeschichte. Draußen auf der Straße hustet jemand. Unentwegt. Die Schallwellen schweben in mein Zimmer, branden an mein Ohr. Landen schließlich auf diesem Papier.

Erst wenn man alles verloren gibt, ist etwas zu gewinnen. Ich verstehe nichts von meinen Behauptungen. Dazu sind Behauptungen da. Die losen Bretter der Vernunft zusammennageln und durch die Lücken falle ich vom Fahrrad.

Gedanken umlenken

Wir lenken unsere Gedanken um, in eine Handlung in der alles gut ist, also eine, in der wir nicht vorkommen, nur fremde Liebespaare an unschlüssigen Häfen und wir, die Herren der Geschichte, lassen sie dort stehen mit der Geduld verlassener Bahnhöfe, bis sie einander endlich so fremd werden, wie uns der Gedanke an Glück.