8. März

Vor einer Woche sind wir gestartet, und ich habe einige Erfahrungen gemacht. Mit technischen Schwierigkeiten gekämpft, Veranstaltungen besucht, über die ich dann doch nicht geschrieben habe, andere über die ich geschrieben habe. Und viel gelesen. Natürlich lese ich immer viel. Aber ich habe ein wenig anders gelesen, immer mit so einer Art Seitenblick; wie gehen die Kolleg*innen an ein Thema heran, wie machen die das? Bei aller Unsicherheit, die ja auch darum stärker wird, weil es so eine ungeheure Menge an Informationen gibt, dass man zu jedem einzelnen Artikel noch so viel mehr recherchieren könnte, als man es tut, habe ich etwas wichtiges und schönes gelernt: ich darf noch viel freier werden beim Schreiben, ich darf mich etwas trauen, ich muss nicht alles abdecken, sondern darf mich auf das konzentrieren, was mich wirklich angesprochen hat. Ich bin ja nicht allein.

Und heute, zum Weltfrauentag, möchte ich auf den schönen Leuchtturm Text von Simone Schabert drüben bei Fixpoetry aufmerksam machen. Trotz allem, allem zum Trotz dürfen und können wir nicht aufhören den Mut anderer zu bewundern und ihn daraufhin bei uns selbst zu finden, und ihn dann einzusetzen für Menschenrechte und Pazifismus. Für Solidarität.

Es soll Sterne regnen

Tatsächlich wäre ohne Fixpoetry, ohne diese sich ständig weiterentwickelnde, immer wieder kritisch und bei aller Kritik begeistert und engagiert und sowohl der Literatur als auch denen, die sie machen,  zugewandten Seite einiges anders verlaufen in meinem Leben. Ich selbst hätte mir niemals zugetraut Besprechungen zu schreiben, aber Julietta Fix hat mir diese Chance gegeben und jetzt schreibe ich seit vielen Jahren mit nicht nachlassender Begeisterung.

Aber Fixpoetry ist so viel mehr. Wen habe ich nicht alles entdeckt dank dieses Ortes, der offen ist für alles und die Augen öffnet für all das, was es auch noch gibt in der großen und zunehmend unübersichtlichen literarischen Welt.

Ich möchte mir nicht vorstellen müssen, wie diese Plattform verschwindet, ich möchte vielmehr sehen, wie die Entwicklung weitergeht. Am liebsten sehen, wie die Entwicklung weitergehen könnte, wenn die Sorge um finanzielle Unterstützung wegfallen würde.

Wenn jeder von uns, der hier liest und von der unermüdlichen Arbeit Juliettas und ihres Teams profitiert, wenigstens ein Sternchen  spenden  würde, und ich wage zu behaupten, dass jeder das finanziell stemmen kann, dann hätte Fixpoetry nicht nur die Lippenbekenntnisse und Leserinnenzahlen als Rückhalt, sondern wenigstens ein wenig Geld, um sich auf das konzentrieren zu können, was diesen Ort so wertvoll macht: unabhängig und neugierig über Literatur zu reden.

Ich bin ab heute ein Stern. Bitte macht mit!

Zur Notwendigkeit eines reinen Frauenpreises

Literaturzeitschriften, Literaturpreise, Kritikerstimmen, überall dominieren Männer. Selbst in der neu gegründeten Lyrikkritik Akademie gibt es mehr männliche Dozenten als weibliche, die Grundlagentexte, die bislang behandelt wurden: Männer, die über Männer reden. Ganz klar: wir haben es mit einem strukturellen Problem zu tun.

Genau deshalb brauchen wir so etwas wie den von Fixpoetry ausgeschriebenen Gertrud Kolmar Preis. Um neue Strukturen zu schaffen. Einen großen Dank an Julietta Fix für ihren unermüdlichen Einsatz neue Räume und Strukturen zu schaffen, um das Reden über Literatur noch reichhaltiger und weiter zu machen.