Falten

Falten, Entfalten. Es ist vermutlich kein Zufall, dass ich letzten Sonntag, in dieser Ausstellung gelandet bin. Einer Ausstellung, die nicht zuletzt von der Schönheit und den erstaunlichen Möglichkeiten des Faltens, der Falten, die Tiefe verleihen, erzählte.

Vielleicht ein weiterer Schritt, auf dem Weg zu begreifen, warum Alter und Scheitern bei mir in einem Text zusammen gefunden haben.: Ich glaube, ich habe unbewusst so ein vertracktes Denkmuster, das mir einredet, ab einem gewissen Alter darf man keine Fehler mehr machen, loslaufen, hinfallen, aufstehen gilt nur bis zu einem gewissen Alter. Dabei steckt in Wirklichkeit in den Falten vielleicht auch das Fallen, das sich fallen lassen.

Die kleine Frau zählt ihre Falten

Erst muss man alt werden, dann kann man die Taten verschieben auf später.

Die kleine Frau zählt ihre Falten, dann hält sie ihren kleinen Handspiegel so,

dass er die Sonne reflektiert.

Ich wünsche mir Rapunzel und Schneewittchen an den Geburtstagstisch von Dornröschen, an dem ohnehin schon ein Stuhl fehlt.

Wir dürfen nicht aufhören, die Geschichten immer anders zu erzählen, sagt sie.

Um uns dann der Wirklichkeit zu stellen.

 

 

Verlorenheit (automatisch)

Eine seltsame Verlorenheit in der Luft. Unbeschwertheit. Ein schönes Wort und ein Schlüsselerlebnis. Ich spreche in Rätseln. Ich schweige mich aus. Der, die das. Artikel zur Bestimmung des Geschlechts, bevor die Stimme (weiblich) erwacht, oder der Verstand (männlich) sich ausbildet. Ich ließ mich auf meinem Lebensweg zurück. Schon immer habe ich das, was ich tue, als defizitär empfunden. Ich bin die lange Weile, die sich nicht aushält, aber auch keine Langeweile kennt.,

Zwei Falten gegen die Einfalt. Und festhalten an den Brüchen, ohne sie zwanghaft in eine Ganzes fügen zu müssen. Alltag und Mythos verwebend.

Die Witwe

 

Die Witwe - Isla volante
Die Witwe – Isla volante

Wir verschwanden hinter unseren Vorstellungen. Die Zeit ging darüber hinweg, ließ ein paar Falten zurück und die Erinnerung an die Ebbe. Während die Flut alles davon getragen hatte. In eine Weite und Ferne und Kraft, von der wir keine Vorstellung hatten.

Wir verheirateten unsere Mädchen mit den Fischern, die das Meer ab und zu nicht wieder hergab. Sie war eine von diesen jungen Witwen. Sie hatte kaum Zeit gehabt, ihn kennen zu lernen. Wir erwarteten, dass sie trauern würde, stattdessen zog sie seine Kleider an und ging. 

 

Punkt Punkt Komma Strich

Ein unklarer Tag. Ein grauer Tag, der sich mit Mühe aus der Verlässlichkeit schält.

Hier bricht das Denken ab.

In meine Träume mischt sich das merkwürdige Leben der Duras. Vor dem Fenster hängt ein Kissenbezug. Langeweile treibt durch den Tag.

Verschiedene Ansätze zu einer fernmündlichen Verbesserung. Im übrigen (zu streichende Füllworte) … Punkt, Punkt, Komma Strich. Fertig ist das Mondgesicht eines nur noch auszumalenden Lebens.

Feine Falten durchziehen ihr Gesicht. Haben ein Liniennetz darauf gezeichnet. (ich habe ein zerstörtes Gesicht, hat die Duras geschrieben, da sprach sie schon lange von sich in der dritten Person).

Wir benehmen uns atemlos.

Es sind längst keine Ausrutscher mehr, wenn meine Geschichten nicht beginnen, etwas zu erzählen. Sie verlaufen sich im Irgendwo, zwischen (fehlender) Fantasie und Beliebigkeit.

Ein Mädchen, das in Saudi Arabien für ihren Traum kämpft, Fahrrad fahren zu dürfen, ein Hochhaus in dem die Bewohner ohne Fahrstuhl zurecht kommen müssen, und mein schmales Talent, auf dem ich die Worte balancieren lasse.