Depression und Fahrrad

Ein Gehirn mit Depressionen, das war wie ein Fahrrad mit einem kaputten Tretlager. Man konnte strampeln, wie man wollte, aber man kam doch nicht vom Fleck.

Frieder aß ziemlich hastig und viel. Er war immer als Erster fertig. Dann schob er den Teller von sich weg und sagte: „Ich bin satt. I am sad.“

(Auerhaus – Bov Bjerg)

Ich bin in der Beziehung ein wenig borniert. Wenn Bücher allzu einhellig, allzu euphorisch besprochen werden, mache ich gewöhnlich eher einen Bogen um sie. Um dann immer wieder, wenn ich über Umwege doch noch zum Lesen gekommen bin, festzustellen, dass einhelliges Jubeln nicht automatisch bedeuten muss, dass das, was bejubelt wird, mittelmäßig ist.

Auerhaus habe ich jedenfalls sehr genossen. Sicher auch, weil der Jahrgang stimmt, weil die Menschen, die in diesem Buch, traurig und verzweifelt, verrückt und phlegmatisch sind, das in genau der Zeit sind, in der auch ich das alles gewesen bin. Aber darüber hinaus ist es ein schönes Buch über Freundschaft und Jungsein, Scheitern und Tod.

Punkt Punkt Komma Strich

Ein unklarer Tag. Ein grauer Tag, der sich mit Mühe aus der Verlässlichkeit schält.

Hier bricht das Denken ab.

In meine Träume mischt sich das merkwürdige Leben der Duras. Vor dem Fenster hängt ein Kissenbezug. Langeweile treibt durch den Tag.

Verschiedene Ansätze zu einer fernmündlichen Verbesserung. Im übrigen (zu streichende Füllworte) … Punkt, Punkt, Komma Strich. Fertig ist das Mondgesicht eines nur noch auszumalenden Lebens.

Feine Falten durchziehen ihr Gesicht. Haben ein Liniennetz darauf gezeichnet. (ich habe ein zerstörtes Gesicht, hat die Duras geschrieben, da sprach sie schon lange von sich in der dritten Person).

Wir benehmen uns atemlos.

Es sind längst keine Ausrutscher mehr, wenn meine Geschichten nicht beginnen, etwas zu erzählen. Sie verlaufen sich im Irgendwo, zwischen (fehlender) Fantasie und Beliebigkeit.

Ein Mädchen, das in Saudi Arabien für ihren Traum kämpft, Fahrrad fahren zu dürfen, ein Hochhaus in dem die Bewohner ohne Fahrstuhl zurecht kommen müssen, und mein schmales Talent, auf dem ich die Worte balancieren lasse.

Vom Zufall der Gedanken

Ein Gedanke taucht auf. Vielmehr kein Gedanke taucht auf. Tauchsieder. Tauchgang. Meine automatischen Texte. Meine automatischen Verluste. Wer verliert, erleidet eine Niederlage. Keine angenehme Lage.

Mein Kopf ist eine verwitterte Mülltonne. Ich versuche der Sinnlosigkeit Herr zu werden. Ich halte mich an Redewendungen und versuche den leichten Schwindel auszukosten, den sie erzeugen. Der Sommer ist doch noch entstanden. Eine lange Entstehungsgeschichte. Draußen auf der Straße hustet jemand. Unentwegt. Die Schallwellen schweben in mein Zimmer, branden an mein Ohr. Landen schließlich auf diesem Papier.

Erst wenn man alles verloren gibt, ist etwas zu gewinnen. Ich verstehe nichts von meinen Behauptungen. Dazu sind Behauptungen da. Die losen Bretter der Vernunft zusammennageln und durch die Lücken falle ich vom Fahrrad.