23. Juni

Die Ausreden sind vollständig. Dabei genügt dieser Gedanke, der längst eine Überzeugung ist; ich bin nicht gut genug. Was ist schreibe ist Mittelmaß, und davon gibt es längst genug. Die Zeit, in der ich Schlechtes schreibe, könnte ich ebenso gut (besser!) dazu verwenden, Gutes zu lesen. Vielleicht gelingt es mir, mich darauf zu beschränken, eine annehmbare Kritikerin zu sein und in diesem Bereich Stück für Stück immer besser zu werden.

Die haushaltspolitischen Anforderungen sorgen immer wieder dafür, dass ich den Faden verliere, so sorgen sie für mich. Und ich? Ich schweige auch dazu und verhalte mich nicht.

Höchstens das „ver“ entspricht meiner Haltung (Vermeidung, Verdrängung…).

Ich lege die Gedanken nieder, bevor sie mich fassen können und schreibe dann mit leeren Phrasen von einer „erhabenen Unfassbarkeit“.

Ich möchte einfache, treffende Beschreibungen. Und vermutlich stimmt es nicht einmal, wenn ich sage, ich habe keine Geduld.

Die Tage umwickeln mich und ich ziehe die Fäden zu fest, um mich bewegen zu können. Also muss ich warten, bis einer der Fäden reißt. Vorher ist es nicht möglich, etwas Neues zu weben. Aber auch nicht nötig.

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Erziehung

Ich bin erzogen worden, d.h. ich hing an einem Strick und nichts blieb mir übrig, als ihn zu zertrennen, damit ich weiter atmen konnte. Der Strick, an dem gezogen wurde, um mich zu richten, einzurichten (gemütlich) und auszurichten (auf Erfolg in der Welt), nahm mir weit mehr als die Luft zum Atmen. Er nahm mir die Lust.