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Ich erwarte ständig etwas. Von mir. Von anderen. Das ermüdet. Könnte es nicht wenigstens zeitweise gelingen, damit aufzuhören, (darauf zu verzichten) alles mit Bedeutung aufzuladen, und einfach zu sein?

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Erwartungen haben, ohne darauf zu warten, dass sie sich erfüllen. Das wäre dann die Freiheit der Hoffnung. Ich folge mir zu diesem Punkt. Aber meistens gehe ich auf dem Weg verloren.

Die an mich glauben. Und die anderen, die in diesem Glauben herumkritzeln. Unsere Unsicherheit, die uns, gezeigt, oder nicht gezeigt, miteinander verbindet.

Wir verteidigen unsere Rede, als wären das wir.

Miron Zownir

„Wenn ich fotografiere, erwarte ich zunächst überhaupt nichts. Der Anspruch kommt immer erst danach.“

Ich habe vor Jahren schon einmal etwas über Miron Zownir geschrieben. Jetzt habe ich dieses Zitat von ihm in der Photo International 3/2016 gefunden, das anlässlich zweier Ausstellungen, die in Köln und Hamburg, in der Schweiz gibt es auch eine, geführt wurde. Und dieses Zitat trifft sehr gut, worüber ich mir vor einigen Tagen Gedanken gemacht habe. Ich glaube tatsächlich, dass es mir genau darauf ankommt. Auf die erwartungsfreie Offenheit beim Prozess selbst und (ebenso wichtig!) auf den Anspruch danach. Die Auslese.

26. Dezember

Erwartungen und Enttäuschungen. Wie einen das ein Leben lang verfolgt. Die Erinnerungen, die das Lesen zur Zeit anschwemmt.

Die dreibeinige Katze, in der Siedlung, in der ich als Kind gelebt habe. Überhaupt die Katzen, die wir in Rudeln gesehen haben, obwohl Katzen doch Einzelgänger sind. Die Straßen, die ich im Sandkasten gebaut habe, Parkplätze und Tunnel. Und nie hatte ich eigene Autos, um sie zu befahren. Oder der Regen, der genau am Eingang zum Spielplatz aufhörte. Auf dem Spielplatz regnete es, und einen Schritt weiter war alles trocken.

 

Knausgard widerspricht sich. So wie wir uns selbst ständig widersprechen. So wie unser Leben widersprüchlich verläuft.

Entwicklung. Das ist vielleicht nicht zuletzt immer wieder ein Band zu lösen, das dich einschnürt.

Fünf mal zwei

Als ich erwachte, erschrak ich über das Verschwinden der Nacht, statt mich über das Anbrechen des Tages zu freuen. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Dingen zu begegnen, sie wahrzunehmen.

 

 

Was wir sehen ist nicht das, womit wir unsere Betrachtungen beschreiben. Die Gedanken sind nicht die Rückseite dessen, was wir gedankenlos sehen könnten; sie sind etwas ganz anderes.

 

 

Wenn uns etwas verfolgt, gibt es etwas, dem wir davon laufen. Das sich uns einprägt, weil wir uns weigern, ihm zu begegnen.

 

 

Was geschieht ist etwas anderes als das, was wir erwarten. Ohne Erwartung könnten wir die Dinge vielleicht sehen, wie sie sind.

 

 

Die Erwartung ist eine Bewegung weg von dem, was ist. Erwartungslose Betrachtung ist eine innere Bewegung, tief und ohne Ziel.