Kampf

Die klugen Sätze, die ich von mir gebe, und die dummen Dinge, die ich tue. Während hinter mir, vor dem Fenster, die Sonne den Kampf mit den Wolken gewinnt, und Stimmen erklingen. Stimmen, die das Wort „Kampf“ niemals neutral, nebenbei und unbewusst von sich geben können, weil es jedes Mal schlimmste Erinnerungen auslösen wird. Alles ist gut, heißt nicht, dass diese Erinnerungen ausgelöscht werden, nur, dass es bestenfalls möglich sein wird, in Frieden mit ihnen leben zu können.

Erinnerungen

Der Tisch im Garten trägt eine weiße Decke aus Raureif. Im Kopf die verfälschte Erinnerung, dass früher alles besser war. Ich stärker, die Dinge klarer. Vielleicht suche ich immer noch dieses alte Ich und kann es nicht finden, weil ich genau das all die Jahre versäumt habe: mich zu ändern. Mich nicht mit liebevoller Verwunderung zurückgelassen habe auf dem Weg.

 

24. Dezember

Sebald schreibt: „die Stare haben ihr Leben vergessen“, Cotton und Falkner streiten, über Selbstbilder und Egos, und genau deshalb langweilt es mich, nicht weil ich es nicht verstehe, die Geschenke sind eingepackt, der Weihnachtsbaum noch nicht aufgestellt, die Erinnerungen tanzen Ringelreihen, verknoten sich, kommen zu Fall, bevor sie die eigene Kindheit erreichen (die Kindheit der Erinnerungen, wäre auch ein schöner Buchtitel). Es ist eine unendlich stille Nacht. Mitten am Tag.

Lost memories

Lost memories (1)
Lost memories (1)

Ich habe, lange schon, eine Schwäche für alte Fotografien. Es gibt kaum Dinge, über die ich mich mehr freue, als alte Fotos anzuschauen, obwohl ich häufig weder weiß, wo sie aufgenommen wurden, noch wann, geschweige denn von wem. Ich weiß nicht einmal, was mich eigentlich so fasziniert an diesen Bildern. Vielleicht ist es einfach nur die Tatsache, dass Erinnerungen in sie eingeschlossen sind, die für immer verloren sind.

08. November

Ich höre wie die Kaffeemaschine kämpft, als wären es meine Skrupel, mein alter Affe, der mich noch immer so gut im Griff hat, dass sich die Gedanken zurückziehen, hinter Handlungen verschwinden. (ich bin klein, anders kann es gar nicht sein).

Was soll ich mit diesem Schwall von Erinnerungen, der immer wieder überfallartig über mich hereinbricht?

Der zweithäufigste Gedanke: ich weiß nicht, ob ich das kann.

 

 

Fünfter Tag

Diese genaue Analyse der Lebensumstände, diese sehr detaillierte Nacherzählung der Biografie seines Vaters, macht mir deutlich, wie wenig ich von meinen Eltern weiß, ein paar Eckpunkte, drei, vier Geschichten, die immer wieder erzählt worden sind, Fotoalben ohne Beschriftung und Erläuterungen.

Wie wichtig ist es, zu begreifen, woher man kommt, was die eigenen Eltern geprägt hat? Wie sehr ist man Glied in einer Kette und wie sehr man selbst?

Ich weiß noch wie einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter, nach einer Zeitspanne, in der ich fast überhaupt keinen Kontakt mehr hatte zu den Resten meiner Familie, eine Cousine anrief. Es war der erste Weihnachtsfeiertag, sie saßen alle zusammen und nun lud sie mich ein, vorbeizukommen. Ein wenig widerwillig folgte ich der Einladung und kehrte später überwältigt nach Hause zurück. Überwältigt von all diesen „Weißt-du-noch“- Sätzen, vom Teilen von Erinnerungen. Ich glaube an diesem Abend habe ich ein wenig verstanden, was Einsamkeit ist.