Nachdenken über Form

Wenn Form mit Festhalten, mit Bewegungslosigkeit assoziiert wird, kann ich verstehen, dass man sie ablehnt, sie fürchtet.

Andererseits, was wäre das Leben ohne Form? Die Gedanken, Empfindungen, Ängste, was würden sie aus uns machen, in welcher Weise würden sie sich unseres Lebens bemächtigen, es vereinnahmen, wenn wir nicht die Möglichkeit hätten, demm allen eine Form zu geben. Eine Form die einem gegenübertritt, der man selbst gegenübertreten kann, wie etwas Fremden, etwas eigenem. Etwas, mit dem man sich auseinander setzen, das man vielleicht sogar verändern kann.

Und natürlich fällt mir dazu ein Zitat aus „Alles hat seine Zeit“ ein.

„Bekanntermaßen können die Engel jede beliebige Form annehmen. Weniger bekannt ist hingegen, dass die Form, die sie annehmen, für sie auch eine Bedrohung darstellt. Halten sie zu lange an ihr fest, beginnt die Form sie zu prägen, und falls sie die Warnsignale nicht erkennen, wird die Form sie schließlich vollends vereinnahmen.“

Womit der Kreis sich schließt, weil Form hier wieder zu einer Bedrohung, zu etwas Einengendem wird.

Wie überall und immer wieder im Leben, ist es auch hier die Frage der Balance, immer wieder muss das Gleichgewicht neu austariert werden.

Möwen

Möwe(n)
Möwe(n)

Sie stand am Hafen, sah den Schiffen nach. Möwen, hatte sie kürzlich gelesen, seien früher einmal Engel gewesen. Unter ihren Flügeln fänden sich noch Reste der verkümmerten Hände, die sie nun nicht mehr brauchten.

Sie fragte sich, ob sie ihre Hände noch brauchte, und ob es vielleicht so einfach ist: Wenn sie sich sicher sein kann, ihre Hände nicht mehr zu benötigen, werden sie verkümmern und Flügel werden an ihrer Stelle wachsen.

Alles hat seine Zeit – Karl Ove Knausgård

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Seltsam, wie jetzt Engel in mein Leben treten. Zunächst hat Graugans darüber geschrieben und nun dieses Buch von Knausgard. Dabei habe ich nie ernsthaft über Engel nachgedacht, ob ich an sie glaube, oder nicht. Nur, dass sie eher furchterregend als alles andere sein müssten, diese Vorstellung hatte ich seltsamerweise. Vielleicht weil sie in der Weihnachtsgeschichte ihre Verkündigung einleiten mit den Worten: „Fürchtet euch nicht“.

 

„Bekanntermaßen können die Engel jede beliebige Form annehmen“, schreibt Knausgard, „Weniger bekannt ist hingegen, dass die Form, die sie annehmen, für sie auch eine Bedrohung darstellt. Halten sie zu lange an ihr fest, beginnt die Form sie zu prägen, und falls sie die Warnsignale nicht erkennen, wird die Form sie schließlich vollends vereinnahmen.“

 

Natürlich drängt sich der Gedanke an Form und Inhalt auf. Zu langes Festhalten an einer Form würde also auch den Inhalt beeinflussen?

Daher immer aufs Neue die Suche nach einer anderen, angemessenen Form, um das Denken beweglich zu halten, neue Perspektiven zuzulassen.