Dezember

Wie alt wir geworden sind

Denken die Tage

Grau bis weiß

Langsam und sorgfältig

Neigen sie sich dem Ende zu

Diesem Ende das nicht laut

Und bunt genug sein kann

Um zu glauben

Etwas Neues beginnt

Leise und unschuldig

 

 

 

 

 

Punkt

Eine seltsam, mich entwürdigende Zeit (die Welle, die nichts vom Wasser weiß).

Die Einbildungskraft der Naiven (was man verliert, wenn man Vernunft gewinnt; Verstand, Läuterung).

All diese (leeren) Begriffe, an denen ich festhalte (weil ich meine Ratlosigkeit darin verbergen kann).

Begegnungen und Gespräche, die abbrechen, noch ehe sie eigentlich begonnen haben (weil wir auch daran glauben: an Anfang und Ende und die Winkel der Zeit).

Die Ratlosigkeit, die ein Leben annimmt, weil die Zeit verrinnt und doch nichts vergeht. Weil die Verluste wachsen mit dem verminderten Abstand vom Tod.

Weil es nicht Anfang, noch Ende gibt. Nur Kreise, die sich zusammenziehen auf einen Punkt.

Ich

Ich bin ein Rettungsring aus dünnen Wolken. Die schmecken wie Esspapier. Ich zergehe auf der Zunge, sobald man mich ausspuckt bin ich ausgelassen wie schmelzende Butter. Mich findet der Anfang nie vor dem Ende.

Anfänge ohne Ende

Anfang und Ende. Die Punkte zwischen denen sich eine Geschichte entspinnt. Für den Leser. Im besten Fall.

 

Doch wie fängt man an? Beginnt man mit dem Jahr, wenn man nach dem Moment sucht, in dem alles angefangen hat? Oder muss man genauer sein und den Monat kennen, besser den Tag? Vielleicht ist es viel wichtiger, sich an die Jahreszeit zu erinnern, ob die Sonne geschienen hat. Oder ob damals die Katze noch jeden Morgen kam, um ihre Schüssel Milch zu trinken.

Und wenn man sich solche Fragen stellt, wird man dann überhaupt anfangen können?

Die Nacht geht nicht, bevor der Tag kommt, ohne Anfang nur Ende, keine Geschichte dazwischen. In den Zwischenräumen spielt die Geschichte, mit der man etwas einfangen muss, um anfangen zu können.

Der Anfang als Ursprung. Kein Schritt, sondern ein Sprung. Der Sprung ins Ungewisse, ins kalte Wasser. Der Mut, Grenzen zu sprengen, damit etwas beginnen kann, statt einfach nur weiterzugehen.

Am Anfang war das Wort.

Man müsste es erzählen, als wenn es gerade erst losginge. Jetzt, in diesem Moment, und das Ende wäre offen, noch alles möglich… Und trotzdem ein richtiger Anfang. Einer vor dem nichts mehr liegt. So gewaltig und unumstößlich wie in der Bibel.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“

Am Anfang war das Wort.

 

Und am Ende. Und dazwischen die Bedeutung der Worte. Die Bedeutung des Wortes Bedeutung. Ein roter Faden, dem der Leser folgen kann, eine Schnur, an der die Worte aufgereiht werden. Eine ganz eigene Spur, damit die Worte, die nicht neu sind, mehr sind als die Wiederholung des bereits da gewesenen. Denn das Neue entsteht, indem wir das Alte anders, auf unsere ganz eigene Weise zusammenfügen.

 

Und das Ende? Wie muss das Ende beschaffen sein?

Hinter dem letzten Wort ein Fragezeichen oder ein Ausrufezeichen?

Ein Rahmen, der die Geschichte hält, oder eine dünne, zarte Linie, über die die Geschichte hinausgeht? Das Ende als Möglichkeit weiterzuträumen, oder als das Ufer, an dem man auftaucht aus dem Meer der Fantasie? Zurück in das Nichts, aus dem das erste Wort zu schöpfen war.

Oder ein Ende, das dazu führt, alles sofort neu anfangen zu wollen. Ganz anders, viel besser diesmal. Die Geschichte umschreiben, bis das Ende zum Anfang passt, sich Hoffnungen erfüllen, statt sich in Enttäuschungen zu verwandeln.

 

Gibt es ein Ende? Oder nur immer wieder den Anfang? Das Wort, das andere nach sich zieht, bis eine Geschichte entsteht, die nicht zu Ende geht, wenn das letzte Wort geschrieben ist, die vielmehr der Anfang einer neuen Geschichte ist. Der Geschichte des Lesers, dem ein Faden in die Hand gegeben wird, den er weiterwebt.

 

 

Das

Wie ein nüchterner Ratschlag fühlte es sich an. Man konnte genauso gut liegen bleiben, die Schmerzen kultivieren, das Nichtstun. Dem Regen zuhören. Von einem Traum in den nächsten gleiten. Die Zungen der Lieblosen anschweigen und auf ein Ende warten. Das Ende wagt man nicht zu schreiben. Das Ende bereitet nach wie vor zu viel Angst. Die Zeit wird kommen, aber jetzt bin ich da.