19. Januar

Seltsam, wie tröstlich es sein kann, zu erkennen, im Grunde ist nur man selbst das Problem, der Kern und die Quelle all der Probleme, die man zu haben glaubt.

 

Wieder beobachte ich das Phänomen, diese Reaktion, die ich schon häufig beobachtet habe. Wenn da etwas auftaucht, das einfach groß ist, wohltuend, erheben sich nach dem ersten Jubel, Stimmen, die das Phänomen erklärt haben wollen, oder wenigstens verlangen, es zu hinterfragen, gerne auch mit ganz neuen, extra dafür anzufertigenden Werkzeugen. Warum ist es bloß so schwer, sich einfach ergreifen und mitreißen zu lassen?

Dabei kommt mir das natürlich bekannt vor. Was alle gut finden, kann man selbst nicht mehr vorbehaltlos mögen. Mir selbst geht es so mit diesem Tausend Tode Ding. Seit überall Werbung dafür auftaucht, und ich mich frage, ob es überhaupt noch jemanden gibt, der nicht in diesem Buch vertreten ist, hat sich für mich so eine   Beliebigkeit ergeben, die mich jegliches Interesse verlieren ließ. Das ist einfach zu viel. Die breite Streuung, die ja als Gewährleistung von Vielfalt und als Gemeinschaftsprojekt, das möglichst viele Menschen einbeziehen soll, den eigentlichen Reiz und vermutlich die Grundidee des Projektes ausmacht, führt bei mir zum Rückzug. Ich glaube, ich möchte wirklich das Elitäre. Bei der Literatur bin ich absolut nicht demokratisch.