23. April

L.B,., Duras, die Aichinger – als Ersatz für die Großmütter, die ich viel zu früh verloren habe.

Es passiert ja nicht einfach so, dass man unterdrückt wird. Man lässt es zu. Aus Angst. Angst vor Gewalt, oder Angst, nicht geliebt zu werden.

Und der Ausweg besteht sehr häufig (vielleicht sogar immer) darin, die Betrachtungsweise, die Art zu denken, zu ändern. Umzukehren, eine andere Richtung einzuschlagen.

 

Erlösung

Nach und nach sind die Personen aus ihren Gedanken verschwunden. Die Geschichten wurden zunehmend körperlos. Leer, wesenlos. Wie etwas, das sich keine Sehnsucht erlaubt, weil es überall Zerstörung sieht ohne sie zu begreifen.

Sie hat die Regeln vergessen. Das, was den Spielen zwischen den Menschen die Leichtigkeit verleiht.

Was bleibt sind die Bücher. Die somnambulen Gestalten der Duras.

Frauen, die so langsam sprechen als hätten sie ihr Gedächtnis verloren.

Männer, die erschöpft vom Alleinsein, weinen.

Plötzlich weiß sie es wieder. Es geht darum, zu erfahren, was sie sich wünscht. Und zu begreifen, dass es niemals zu erreichen ist. Diesen Widerspruch zu erkennen und auszuhalten, das ist die Erlösung.

Duras, Didion – Zwischenräume

 

Die Duras und ihre Frauen: allen ist gemeinsam, dass sie sich selbst vergessen. Das ist, was mich anzieht. Scheinbar ein vollkommener Gegensatz zu der Art, auf die Joan Didion schreibt; sich ihrer selbst bewusst, immer wieder an die eigenen Grenzen gehend, Selbsterforschung bis über die Grenzen des Erträglichen hinaus.

Und zwischen diesen beiden Polen ich, als Lesende, um Ausgleich bemüht. Halt suchend.

 

Eine Art Tagebuch

Einst fielen mir drei Frauen zu und der Glaube sie sprechen, leben, leiden, vielleicht sogar lachen und lieben lassen zu können. Ich mochte jede von ihnen. Jede auf ihre Art. Sie hatten es nicht leicht. Sie hatten mich. Ich schrieb.
Aber ich schrieb nicht wie die Duras, vor ihrer rückhaltlosen Aufrichtigkeit fürchtete ich mich schon beim Lesen. Ich schrieb weiter, aber ich schrieb nicht wie die Didion. Mir fehlte der Intellekt für politische und strategische Zusammenhänge. Mir fehlte der Blick über den Tellerrand. Ich wartete auf diese Szene am Strand, wo Inez Viktor (geborene Christian) auf Jack Lovett wartet. Und wenn ich nicht gestorben bin, dann warte ich noch heute.

Punkt Punkt Komma Strich

Ein unklarer Tag. Ein grauer Tag, der sich mit Mühe aus der Verlässlichkeit schält.

Hier bricht das Denken ab.

In meine Träume mischt sich das merkwürdige Leben der Duras. Vor dem Fenster hängt ein Kissenbezug. Langeweile treibt durch den Tag.

Verschiedene Ansätze zu einer fernmündlichen Verbesserung. Im übrigen (zu streichende Füllworte) … Punkt, Punkt, Komma Strich. Fertig ist das Mondgesicht eines nur noch auszumalenden Lebens.

Feine Falten durchziehen ihr Gesicht. Haben ein Liniennetz darauf gezeichnet. (ich habe ein zerstörtes Gesicht, hat die Duras geschrieben, da sprach sie schon lange von sich in der dritten Person).

Wir benehmen uns atemlos.

Es sind längst keine Ausrutscher mehr, wenn meine Geschichten nicht beginnen, etwas zu erzählen. Sie verlaufen sich im Irgendwo, zwischen (fehlender) Fantasie und Beliebigkeit.

Ein Mädchen, das in Saudi Arabien für ihren Traum kämpft, Fahrrad fahren zu dürfen, ein Hochhaus in dem die Bewohner ohne Fahrstuhl zurecht kommen müssen, und mein schmales Talent, auf dem ich die Worte balancieren lasse.