Beruhigung

Das Geordnete eines Sonnenuntergangs, und wie beruhigend es sein kann, sich selbst als Gefäß zu sehen.

Werbeanzeigen

KARL OVE KNAUSGÅRD

„Oh, dies ist das Lied über einen Sechzehnjährigen, der in einem Bus sitzt und an sie, die Einzige, denkt, ohne zu wissen, dass die Gefühle langsam, immer langsamer matter und schwächer werden, dass das Leben, das jetzt so stolz und gewaltig daherkommt, unbarmherzig weniger und weniger wird, bis es eine handliche Größe erreicht hat – dann tut es nicht mehr so weh, aber dann ist es auch nicht mehr so schön.“

Und natürlich gibt es dem nichts hinzuzufügen, außer dem, was Knausgard selbst im folgenden Satz schreibt, das so etwas nur ein vierzigjähriger Mann schreiben kann. Zum Glück muss man vierzig werden, um zu begreifen, wie es sich mit dem Leben verhält, wie aus Übermaß etwas sehr Handliches wird. Wie sich alles beruhigt, aber eben auch an Intensität verliert. Aber wenn man es einmal begriffen hat, wird man dieses Wissen nicht mehr los.

Über den Tod

Angst

 

Als sehr junge Frau, schreibt Sabine Schiffner, habe sie den Tod viel stärker gefürchtet als jetzt. Vielleicht weil ich so alt bin wie sie, verstehe ich dieses scheinbare Paradox, dass sich der Abstand vom Tod zwangsläufig verringert und doch statt der Angst die Gelassenheit wächst.

Vielleicht weil die Angst vor den Schmerzen geringer geworden ist, seit ich bei der Geburt meiner Söhne erlebt habe, wie am Ende des Schmerzes eine wundervolle Verwandlung stehen kann. Oder ganz profan, weil ich an die Palliativmedizin glaube, an die Möglichkeit die Schmerzen, die den Tod begleiten, zu lindern.

Vielleicht ist unser Leben auch ein Gefäß, und eine gewisse Fülle schenkt in manchen Bereichen Gelassenheit. Begrenzung wird nicht mehr (nur) als Gefahr, als Bedrohung und Einschränkung wahrgenommen, sondern als etwas, das eine notwendige Form verleiht, und damit auch Halt gibt. Die Beruhigung, die im Gedanken liegt, dass wir endlich sind. Gleichzeitig die Unmöglichkeit, sich diese Begrenzung vorzustellen.

Die Welt ohne mich.

 

Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir Gedanken über den Tod mache. Tod und Sterben begleiten mich von frühester Kindheit an. Es ist auch nicht das erste Mal, dass ich darüber schreibe.

Vielleicht lässt der Tod mich nicht los, oder aber ich bin es, die den Tod nicht loslässt. Weit davon entfernt, eine Obsession für den Tod zu haben, aber auch nicht länger eine übergroße Scheu.

Wobei ein großer Unterschied besteht zwischen dem Gedanken zu meinem eigenen Tod und dem Tod derer, die ich überleben muss.