Automatisch

Es beschwert sich der Schnee über sein Gewicht und der Wirt schert aus. Zurück bleibt ein Wirtshaus, in der Tundra oder Taiga, oder vielleicht auch in Transsylvanien. Verlassen, öde und leer und an der Tür ein Zettel, auf dem steht: FLUCHT. Und weit und breit niemand, der auch nur annähernd weiß, was das bedeutet.

Verlorenheit (automatisch)

Eine seltsame Verlorenheit in der Luft. Unbeschwertheit. Ein schönes Wort und ein Schlüsselerlebnis. Ich spreche in Rätseln. Ich schweige mich aus. Der, die das. Artikel zur Bestimmung des Geschlechts, bevor die Stimme (weiblich) erwacht, oder der Verstand (männlich) sich ausbildet. Ich ließ mich auf meinem Lebensweg zurück. Schon immer habe ich das, was ich tue, als defizitär empfunden. Ich bin die lange Weile, die sich nicht aushält, aber auch keine Langeweile kennt.,

Zwei Falten gegen die Einfalt. Und festhalten an den Brüchen, ohne sie zwanghaft in eine Ganzes fügen zu müssen. Alltag und Mythos verwebend.

Leuchten

Die Stimmen stemmen sich gegen die Struktur der Lügen. Die Wahrheit ist ein amorphes Gewebe, abhängig von den Zurufen der Singvögel. Spartanisch ausgestattet. Einsparungen aus Glück und ein Kamel mit blinkenden Augen. Rezensionen der Wirklichkeit. Und kein Wort zuviel. Wildwechsel und Wortwechsel. Beide ungedeckt. Die kleine Frau ist ausgewandert, oder ausgezogen. An mich hat sie dabei nicht gedacht. Das Licht wirft Schatten und trifft, wenn die kleine Frau lacht. Erst muss man sich unabhängig machen von der Größe, dann kann man sich messen mit der Wirklichkeit. (Die Zubereitung eines waidwunden Gerichts). Zweifel an einem Gesicht. Wenn ich Zwiebeln schäle, träumen meine Augen vom Wasser. Von Meerjungfrauen, Nixen und Neptun. Wenn ich den Mülleimer leere, beginnt der Untergang.

Eine bescheidene Warnung des Lebens an meine Vernunft, das Leuchten nicht zu übertreiben.

Erst muss man schwarz sehen, dann kann man die Grautöne zum Leuchten bringen.

Surrealismus, die literarischen Ursprünge

Manchmal, wenn mich eine Sache besonders interessiert oder begeistert, reagiere ich vorschnell, schreibe zum Beispiel einen Artikel über die Frauen im Surrealismus, obwohl ich nur notdürftig erklären kann, was Surrealismus eigentlich ist.

Nicht immer, aber manchmal, fällt mir dann im Nachhinein auf, wie unüberlegt und vorschnell das war und ich recherchiere. Immer noch am liebsten in den guten alten dicken schweren und unhandlichen Büchern, statt im Internet, weil ich da immerabgelenkt bin.

Für diejenigen, die es interessiert, hier die Früchte dieser Nachbearbeitung:

Den Begriff „Surrealismus“ prägte der französische Schriftsteller Guillaume Apollinaire, als er 1917 zu Jeans Cocteaus Ballett Parade, zu dem Erik Satie die Musik geschrieben hatte, und Pablo Picasso das Bühnenbild entwarf, schrieb, diese Aufführung enthülle eine Wahrheit hinter der Wahrheit, und stelle eine Art Sur-Realismus dar.

Sein eigenes Stück Les Maelles de Trisésias untertitelte Apollinaire als „surrealistisches Drama“.

Wenig später übernahmen Andre Breton und Philippe Soupault den Begriff für das von ihnen entwickelte Verfahren.

Breton war im ersten Weltkrieg Assistent in einer psychiatrischen Lazarettstation. Dort lernte er die psychoanalytischen Untersuchungsmethoden Freuds kennen und konnte beobachten, wie man durch Hypnose versuchte, die Traumata der Patienten zu lindern. Für Breton waren diese Techniken mehr als therapeutische Behandlungsversuche, er sah hier einen Weg einer unerschlossenen, den gesellschaftlichen Konventionen nicht unterworfenen Realität auf die Spur zu kommen.

Im ersten Manifest des Surrealismus schrieb Breton 1924: „Zu Ehren Apollinaires bezeichnen Soupault und ich diese neue Form des reinen Ausdrucks mit dem Namen SURREALISMUS und beeilen uns, was wir an Erkenntnissen gewonnen haben, unseren Freunden zugänglich zu machen.“ (André Breton, Erstes Manifest des Surrealismus, 1924)

Ursprünglich war der Surrealismus ein rein literarisches Unternehmen. Vorbild war Lautréamont, von dem insbesondere folgendes Zitat zum geflügelten Wort innerhalb surrealistischer Kreise wurde:

wie die Begegnung einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch” (Lautréamont, die Gesänge des Maldoror, 6. Gesang)

Die Zwänge der Logik, der Kontrolle, des Folgerichtigen sind hier außer Kraft gesetzt. Die Vorherrschaft des Intellektes über das Unbewusste gilt nicht länger. Gleichzeitig kann der Seziertisch dahingehend verstanden werden, dass die Dinge sehr genau untersucht werden, man sich nicht mit ihrer Oberfläche zufrieden gibt.

Breton erklärte das automatische Schreiben zur wichtigsten surrealistischen Praxis, zum Kern des Surrealismus:

SURREALISMUS, Subst., m. – Reiner psychischer Automatismus, durch den man mündlich oder schriftlich oder auf jede andere Weise den wirklichen Ablauf des Denkens auszudrücken sucht. Denk-Diktat ohne jede Kontrolle durch die Vernunft, jenseits jeder ästhetischen oder ethischen Überlegung.“ (Breton, erstes surrealistisches Manifest, 1924)

Obwohl der Surrealismus seine Wurzeln im Dadaismus hat, versuchten sich die Surrealisten bald von DADA abzugrenzen. Dada war für sie lediglich Protest, Nihilismus, der Surrealismus hingegen wollte mehr: die Erschaffung einer freien, revolutionären und unabhängigen Kunst. Man will nicht nur hinter die Grenzen der Realität gelangen, sondern gleichzeitig die Gesellschaft verändern.

1919 entstand das erste Werk, das auf der automatischen Schreibweise basierte; Die magnetischen Felder von André Breton und Phillipe Soupault. Breton schreibt dazu:

Es handelt sich um die erste surrealistische (und keineswegs dadaistische) Arbeit, ist sie doch das Resultat der ersten systematischen Anwendung der Ecriture automatique.“ (André Breton, Entretiens 1913-1952 avec André Parinand, Paris, 1952).

Und Soupault ergänzt:

Bei unseren Studien haben wir festgestellt, dass der Geist, wenn er sich vom Druck der Kritik und der schulischen Gewohnheiten befreit hat, keine logischen Sätze, sondern Bilder hervorbringt.“ (Philippe Soupault, profils perdus, Paris, 1963).

1922 erschein der Gedichtband Les Malheurs des immortels (Die Unglücksfälle der Unsterblichen) von Paul Èlurad und Max Ernst, mit Collagen von Max Ernst. Das automatische Schreiben der magnetischen Felder hatte sich hier zu einem Dialog zwischen Text und Bild erweitert. Die Zusammenarbeit der Künstler stand wiederum unter einem Motto, das Lautréamont beigesteuert hatte: „Die Poesie muss von allen, nicht von einem gemacht werden.“

Der Weg von der literarischen zur malerischen Bewegung schien geebnet.

Collage von Max Ernst für den Gedichtband Die Unglücksfälle der Unsterblichen

Eine alte Geschichte

Ich frage mich. Was stelle ich in Frage, wenn ich Fragen stelle?

Immer soll alles sehr schnell gehen. Das nennt man Ungeduld. Oder Flüchtigkeit.

Ich flüchte. Ich flüchte vor meinem Leben. Verstecke mich im Schmerz. Heute ist er heiß und brennend. Früher schrieb ich Gedichte. Ich wusste nicht, was das heißt. Es geschah und ich ließ es zu. Jetzt ist der Himmel grau, der Krieg wieder nicht nur überall, sondern auch in den Medien.

Der Tag wird kommen und wieder gehen. Ich schreibe, aber ich meine es nicht so. Immer trauere ich der Vergangenheit hinterher. Die vielen ersten Male. Und wie weh es tut, sich daran zu erinnern.

Es ist immer das erste Mal, schreibt Pessoa und daran glauben zu können, müsste die wirkliche Heilung sein. Heilung von den Gebrechen der Zeit.

Dann reißt der Faden.

Auswahl

Ich fand mich ein. Das heißt ich ging verloren in einer Betrachtung. Die Offenheit einer Ruine. Mein mangelnder Verstand. Ich bin ein Betrachter. Das ist die Verwertung der Dinge. Man wählt mich aus. Etwas sieht mich an und ich blicke zurück. Das ist Vorausschau. Das ist ein falscher Satz. Hier greift die Zensur. Greifen Sie zu, oder warten Sie auf den Sommerschlussverkauf. Auch wenn die Sonne sich weigert zu strahlen, werden wir uns die Sicht mit bunten Luftballons verhängen. Verhageln. Bitte wählen Sie aus. Wir haben keine Wahl. Wer sich nicht entscheidet, bleibt auf der Strecke, das heißt stehen. Stillstand ist der Fortschritt der Vorsichtigen. Die Übersicht verhindert den Schritt und wer zurück sieht, der stolpert. Wir legen uns Steine in den Weg und nennen sie Brücken. Auf die Benennung kommt es an. Das Folgende ist ein Schritt. Die Richtung gibt an. Einer legt vor. Wir folgen. Ohne zu wissen. Wissen heißt Auswahl. Ent-Scheidung. Das ist endgültig und zu wenig schnell. Wir haben keine Zeit, zu wählen. Das ist das Wesen der Oberflächlichkeit. Sie ernährt sich von der Zeit, die niemand hat. So errichtet man Denkgebäude, hinter denen sich die Leere verbirgt.

Fortschreiben und dann

Die Tür schließen und das Fenster öffnen. Erst das eine und dann. Gleichzeitigkeit kommt später und gewinnen war einmal. Es wird Frühling und das heißt, dass der Herbst längst vergessen ist. Mehrere Breitengrade nördlich. Aber von Geografie habe ich noch weniger Ahnung als von gutem Benehmen.

Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran. Ein Hut, ein Stock, ein Re-gen-schirm.

Und was nicht fließt, das tröpfelt.

Das schlechte Gewissen ist ohnehin immer dabei. Dabeisein ist alles. Immer wieder Aufstehen auch. Wer aufgibt, ist ein Spielverderber. Mir fällt nichts ein, darauf falle ich herein. Ich habe die Gabe eines kränklichen Gemüts. Immer auf der Suche nach großen Gesten.

Scherben aus gebrochenen Versprechen sammeln. Ein Versprechen und wie nah das am Sich versprechen liegt und von da ist es nur ein Buchstabensprung zum Verbrecher, der nicht notwendig ein Versager ist.

Es gibt einen Mann, der baut sich aus falschen Versprechen ein Haus. Und so weiter. Und so fort. Wir schreiben uns fort und das ist immerhin ein Anhaltspunkt, zu dem man zurückkehren kann.

Automatisches Schreiben

Mein geteiltes Leben bedarf der Zerrütung. Eines Morgens erwachte Gregor Samsa aus unruhigen Träumen usw. Wer suchet, der findet. Hinter dem Fenster die Nacht. Etwas anderes lacht. Hat die Macht. F.M. spielte mit meiner Mutter Schach, bevor er sämtliche Habseligkeiten aus dem Fenster des vierten Stocks warf. Wir warten. Und wenn er kommt, dann laufen wir. Zerrhansel. Verspiegelt. Die Nächte im Mondlicht usw. Wer hat kann weiter. Der Kaffee ist fertig. Was nicth leicht wird, bleibt schwer.
Auf der Straße geht ein Herr mit einer silbernen Melone, in der Hand hält er eine halbe Zitrone. Vom Duft angelockt, begleitet ihn ein Alligator in gebührlichem Abstand. D.h. Anstand. Was Rückschlüsse zulässt auf seinen Zustand. Der Alligator leidet an Schlaflosigkeit. Der Mann leidet an sich selbst. Die Zitrone ist nur noch die Hälfte dessen, was sie einmal gewesen ist.