Zwischenzonen – Teil II

Sama Alshaibi Aus der Serie Silsia

Sama Alshaibi verbrachte als Palästinenser-Irakerin ihre prägenden Jahre auf der Flucht von Land zu Land. Schließlich wählte sie dieVereinigten Staaten als Exil. „Wenn man in einer Welt nach 9/11 als Muslimin und Araberin in den USA lebt, muss man permanent über die eigene politische, kulturelle und nationale Identität verhandeln. Meine Arbeiten erzählen von sozialen, ökonomischen und politischen Umbrüchen. In „Silsila“ (arabisch für Kette oder Verbindung) zeichne ich gewissermaßen die Vergangenheit in die Gegenwart nach, um über die zunehmende Massenintegration zu sprechen, die aufgrund von Wasserknappheit entsteht.“

Für das im Marta gezeigte Projekt (verschiedene Videoinstallationen und Fotos aus diesen Installationen, die man zum Teil auch auf ihrer Webseite sehen kann) ist Alshaibi, die 1973 im Irak geboren wurde, sieben Jahre lang durch die großen Wüsten und gefährdeten Wasserquellen des Nahen Ostens und Nordafrikas bis zu den Gewässern der Malediven gereist.

Um noch einmal aus den zu jeder Künstlerin bereitgestellten Informationsblättern (Riesenlob an das Marta für diese großartige Idee!) zu zitieren: „Obgleich die Konflikte und Ängste der Gegenwart hier wirkungsvoll ins Bild gesetzt werden, spiegelt die ausgeprägte Symmetrie der Installation eine natürliche Ordnung der Welt wider und in den Verweisen auf die gemeinsame Vergangenheit der islamischen Welt kommt zugleich eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft zum Ausdruck.“

Ich selbst habe diese Arbeit weniger kritisch erlebt, vielleicht weil die starke Ästhetik der Bilder die Botschaften (für mich) überdeckt hat.

Lamia Joreige , die während des Libananonkrieges selbst aus dem Libanon nach Frankreich geflüchtet ist, hat mich mit ihrem Projekt „Objects of War“ nachhaltig beeindruckt. Objects of War ist im Zeitraum von 1999 bis 2014 entstanden. Joreige, die nach der Flucht nach Frankreich und einem Studium in Amerika nach Beirut zurückkehrte, hat für ihr Projekt Menschen ausgehend von subjektiv ausgewählten Gegenständen in Interviews von ihren Erinnerungen an Krieg und Flucht erzählen lassen. Mich hat die Erzählung eines jungen Mannes sehr beeindruckt, den ein bestimmter Geruch an den Krieg und seine Flucht mit der Familie erinnerte. Er war damals 5 oder 6 Jahre alt und hat die Bomben in erster Linie als schön empfunden. Auch die Flucht selbst habe er als Abenteuer erlebt. Das Verstörende, dass das Schreckliche nicht automatisch hässlich ist, sondern tatsächlich viele ästhetische Momente birgt, hat mir noch einmal einen neuen Blick auf Krieg und Kriegserlebnisse geschenkt.

Sie glaube nicht, dass mithilfe der Kunst oder irgendeiner anderen großen Aktion die Welt verändert werden könne, bekennt Morehshin Allahyari, die 1985 im Iran geboren wurde und heute in den Vereinigten Staaten lebt. Ihr Ziel sei vielmehr „Probleme aufzudecken, Dinge (zu) hinterfragen und schwierige Fragen (zu) stellen.“ „Ich möchte einfache Methoden verwenden, wie das Archivieren, das Entkolonialisieren von Archiven, das Teilen und Zugänglichmachen von Informationen sowie das Erschaffen von Foren und Communities.“

Noch einmal vom Info Blatt: „In Material Speculations (2015 – 2016) – einer Serie von 12 skulpturalen, in 3D gedruckten Objekten, die die durch Anhänger des sogenannten IS zerstörten historischen Artefakte der Städte Hatra und Niniveh reproduzierten – bewegt sich Allahyari aus der rein ästhetischen oder formalen Domäne des Kunstobjektes heraus und in den Bereich des Aktivismus hinein. Jedes der gedruckten Werke beinhaltet einen USB Stick mit einer Datenbank zum Original. Die digitalen Archive, die Morehshin Allahyari zusammengestellt und öffentlich gemacht hat, und ihre Kollaboration mit nicht-westlichen Institutionen zugunsten des Erhalts des kulturellen Erbes gehören originär zu ihrem Aktivismus und Kunstschaffen.“

 

 

 

 

 

 

 

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Schönheit und Geheimnis

Die Kunsthalle trägt lila und verbreitet eine nahezu mythische Atmosphäre. „Schönheit und Geheimnis. Der deutsche Symbolismus. Die andere Moderne.“ heißt die Ausstellung, der die Kunsthalle ihr neues Kleid verdankt.

Der Symbolismus, der auch als andere Moderne bezeichnet wird, zeichnet sich weniger durch eine einheitliche Stilrichtung als eher durch die Thematik aus. Die unter diesen Ismus versammelten Künstler einte der Versuch eine Gegenwelt zur immer rationaler und entfremdeter empfundenen Welt der Industrialisierung zu erschaffen.

Die Ausstellung in der Kunsthalle hat sich auf den deutschen Symbolismus beschränkt, und versammelt Bilder aus dem Zeitraum von 1870 bis 1920 von Künstlern wie Max Klinger, dem ich in Berlin zum ersten Mal begegnet bin, und Franz von Stuck, Dora Hitz, Sascha Schneider, Lovis Corinht und Arnold Böcklin, um nur einige zu nennen.

Klar angeordnet ist die Ausstellung in neun unterschiedliche Kapitel untergleidert, von der Beseelten Natur, über die Landschaft als Symbol zur erhalbenen Natur, führt der Weg zu Kraft und Kontemplation, Bösen Frauen, Erotischen Grotesken, Guten Frauen, schließlich zu Tod und Mächten der Finsternis. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Symbolismus im Film.

Letzten Freitag konnte ich mir lediglich einen Überblick verschaffen. Aber ich habe die Ausstellung nicht zum letzten Mal besucht und werde weiter berichten.