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Was Gespräche so schwierig macht, ist die begrenzte Anzahl zulässiger Fragen. Was uns wirklich interessiert, worauf wir wirklich eine Antwort haben möchten, das fragen wir irgendwann nicht einmal mehr uns selbst.

Null

Allein, die Null im Gepäck, stand der einbeinige Mann auf der Landstraße, sehnte sich nach dem Wind, vergriff sich beim Versuch einen Vogel mit seiner Schleuder zu treffen und gleichzeitig ein Mädchen im Blick zu behalten, wobei er nicht einmal wusste, warum er sie im Blick behalten wollte. Vorsicht und Rücksicht, nicht zu vergessen die Nachsicht und die Tatsache, dass beides nicht geht: Fragen und Antworten, aber auch keines ohne das andere. Sowohl als auch. Weder noch. Wir begrenzen die Aussicht und zentrieren den Blick.

 

Über den Tod

Ein guter Tod

 

Was soll das sein?

Im Mittelalter hatte man eine Vorstellung davon. Sterbebüchlein sollten helfen, sich auf einen „guten Tod“ vorzubereiten. Dieses Ideal zu erreichen.

Nachdem ich mein Studium abgeschlossen hatte, rief mich einer der Professoren, die meine Diplomarbeit betreut und begutachtet hatten an, um zu fragen, ob ich in seinem Seminar eine Stunde übernehmen wollte. Ich sollte über die gewandelten Vorstellungen von einem guten Tod sprechen.

Ich fragte die Studenten, was für einen Tod sie sich wünschten.

Dreißig Augenpaare, die mich verständnislos ansahen. Keiner hatte jemals über eine in ihren Augen offensichtlich absurde Frage nachgedacht.

Das ist jetzt über zehn Jahre her. Hat sich etwas geändert?

Würde ich heute Antworten bekommen?

Ich hatte damit gerechnet, dass man mir antworten würde: Ich möchte einfach einschlafen und nicht mehr aufwachen.

Das, hatte ich gedacht, ist das Ideal der Gegenwart.

 

 

Stöckchenhausen

Ehrlich gesagt, bin ich immer froh, wenn diese „Stöckchen“ an mir vorbeifliegen, das hat so etwas von früher, von Schulzeit und vielleicht auch von diesen dubiosen Kettenbriefen, nun aber ist eines hier gelandet und geworfen hat es Candy Bukowski. Ich mag ihr Blog, ich mag ihre Fragen, also was solls, schreib ich eben ein paar Worte.

 

Ein Text ist gut, wenn er mich aufregt. Das ist auch die Art Text, die ich immer wieder zu schreiben versuche, immer und überall. Aber das ist nur der Wunsch. Die Realität besteht darin, dass ich hauptsächlich im Bett schreibe, und das viel zu selten. Das Gegenteil von viel Schreiben ist wenig Schreiben, und Leben ist das Gegenteil von Tod. Naja und Leben ist natürlich die Möglichkeit von Kreativität, die wiederum Auseinandersetzung ist. Mit was auch immer. Aber aufrichtig! Mein Lieblingstext müsste also der sein, in dem mir das am besten gelungen ist, nur: wer kennt sich schon selbst? Wer kann schon die eigenen Schriften beurteilen? Ich jedenfalls nicht. Also lebe ich unentschieden, unterscheidungslos von Tag zu Tag und das sagt schon fast, dass mir die Perspektiven fehlen, die Kraft und vor allem Disziplin, während ich von einer Sache viel zu viel habe: Erinnerungen. „Ich erinnere mich ständig ständig“, wie das so schön in Stanisic wunderbarem Roman „Vor dem Fest“ steht, endlich mal ein Buch, das einen dieser Preise verdient hat. Meine Lieblingstexte schreiben also andere Menschen, und mit den Fotos ist es genau so, meine Lieblingsfotos schießen auch andere, z.B. immer wieder der Sehraeuber.

Und weil mir der Stanisic Roman noch so im Kopf steckt, ist tatsächlich Fuchs das erste Wort das mir zum Buchstaben „F“ einfällt, aber es gibt auch einen Satz, in dem kein Wort mit „F“ vorkommt und den stelle ich jetzt nicht nur in den Raum, sondern auch ans Ende meines kleinen aus Stöckchen gebastelten Textes: Wenn man die Vergangenheit nicht ordentlich erzieht, wird sie rachsüchtig ab ihrer Pubertät.“ (István Kemény)

Und wer mag, der baue doch bitte aus den folgenden Fragen ein neues Stockhausen:

1. Was macht Dich müde?

2. Was kannst Du nicht ernst nehmen?

3. Deine Lieblingsmalerin?

4. Was macht Dir Mut?

5. Gaubst Du, dass der Tod eine Frau ist?

6. Wem wärst Du lieber nie begegnet?

7. Welche Rolle spielen die Toten in Deinem Leben?

8. Und die Ungeborenen?

9. Dein erster Kuss

10. Deine letzte Ohrfeige

11. Was ist Heimat für Dich?

Sechs mal zwei

Ziellos in Bewegung. Wozu braucht man Ziele, wenn alles im Kreis läuft?

 

 

Sobald einer die Richtung ändert, muss man einander wieder begegnen. Zwangsläufig.

 

 

Auch im Meer wohnen zwei. Leben und Tod, Ebbe und Flut.

 

 

Sprechen wir nicht vom Mond. Jetzt nachdem er durch Fahnen verletzt worden ist.

 

 

Kann man einen Kreis halbieren? Und ist eine Verdoppelung nicht mehr als zwei?

 

 

Zu jeder Frage gehört eine Antwort. Und einer, der die Antwort anzweifelt.

 

 

Die Muster der Wirklichkeit

Einer sagt etwas und ein anderer denkt es zu Ende. In der Mitte häuft sich Luft auf Tapeten. Tapeten, die gehen können. Füße, Hände, Stoffballen. Nur die Knöpfe als Augen haben sie vergessen. Ich war auf diese Art blind, d.h. dass mich zutiefst langweilte, was ich schrieb.
Die Dinge drehen sich im Kreis, ohne einander zu begegnen. Die einen glauben an Kunst, die andern machen sie, weil sie am Leben verzweifeln mit diesen Regeln von Kreisen, die sich drehen ohne sich jemals zu schließen. Spirale, nicht Kreis. Trotzdem rund, und wenn man anfängt Antworten zu suchen, sollte man vielleicht aufhören Fragen zu stellen. An sich! Und sie nur noch an die Welt richten. Das ist einen Standpunkt beziehen, von dem man wissen kann, der Ausblick ist begrenzt, aber klar und deutlich, statt ständig den Kopf zu wenden und alles verschwimmt. Was ist Wahrheit und was sind Gedanken? Und das sind die Muster aus denen man Wirklichkeit webt.