kleinwüchsige Apfelbäume

„Der Zweck der Erzählung besteht nicht darin, das Problem zu lösen. Ihr Zweck ist es, das Problem abzubilden, es zu erkennen, es vollständig zu bewohnen, und eine Verbindung herzustellen zwischen dir und allen anderen, die jemals darunter gelitten haben.“ (Jonathan Franzen).

Die Einsamkeit eines kleinwüchsigen Apfelbaums auf einer Wiese mit Streuobst . Alles ist genauso halb richtig wie halb falsch. Von draußen weht der Duft nach frisch gebackenem Brot in die Küche und vermischt sich dort mit dem Geruch der kochenden Hafermilch. Ich werde älter, so lange schon. Und immer noch, ohne zu wissen, wie es geht.

(37)

Das Alter. Die Melancholie. Die Wiederholungen.

Und letztendlich geht es doch nur immer wieder darum, die Angst zu überwinden, und den eigenen Weg zu finden. Den Weg, und den Mut, ihn zu gehen. Immer wieder.

All die Zeit, die ich nicht habe, solange sie mich hat. Bedeutungslos: entweder die Zeit oder ich. Oder letztendlich – wir beide?

 

(36)

Die Wege, die verloren gehen. Egal, ob wir sie betreten oder nicht. Alle Wege, alle Schritte, tragen bereits diesen Verlust in sich. Und das die Zukunft immer das Alter ist. Verfall, Krankheit, Tod. Was die Wahrheit ist, und gleichzeitig ein grundverkehrter Gedanke.

23. Dezember 2018

I

Mein Denken ist der Ausläufer eines Tiefdruckgebietes. Weil ich das nie gelernt habe: Alt werden, verschwinden.

Wir träumen uns aus den Zusammenhängen hinaus in Klischees. Wir suchen bedingungslos unser Recht Das Fohlen der Wahrheit.

II

Wir sind die Ausläufer eines seelischen Tiefdruckgebietes. Unfähig zu begreifen, was wir tun. Wir halten einander gefangen in Denkgebäuden, in denen es weder heiß noch kalt wird. Die uns zu schützen scheinen gegen die Unbill der Welt.

Alter

Bei Menschen über 50 Jahren, besonders bei relativ mageren Frauen, schleicht sich das Greisenhafte in die Gesichtszüge. Eine Ahnung davon, wie das Gesicht aussehen wird, wenn die Betreffende sehr alt sein wird.

Verlieren

Verlieren. Und dann, weil man verloren hat, verloren drein schauen.

Welche unserer Sätze sind echt, und welche dienen der sozialen Erwünschtheit, dem Image, dem lieben Frieden? Können wir noch fühlen, wann wir im Einklang sind mit unseren Sätzen und Handlungen, oder laufen wir mehr und mehr Gefahr, das Gefühl dafür zu verlieren? Denn das ist die wohltuende Echtheit, im Einklang mit sich selbst zu sein, unabhängig von den andern, nur so gelingt es, einander nah zu kommen, einander kennen zu lernen.

Dann entferne ich den Beutel aus der Tasse. Ich bin eine Banausin. Ich trinke Beuteltee (und verstehe kein Wort, wenn kleine Kinder mit mir sprechen). Das macht mich traurig. Das macht mich alt. Manchmal denke ich, das ist dasselbe; traurig und alt. Dabei hat Traurigkeit kein Alter, und das Alter keine vorgeschriebene Stimmungslage.

Etwas wiederfinden, was nie verloren war. Die Einsamkeit inmitten all der Menschen. Der leichte Schwindel, der alles begleitet. Was mir fehlt, weshalb ich nicht mehr schreiben kann, jedenfalls nicht so, dass das Geschriebene mich selbst begeistert, ist die Leidenschaft. Statt Leidenschaft nur noch Selbstmitleid und Pathos. Ermüdend und enttäuschend.

 

Die kleine Frau wird alt

Erst ist man schön, dann ist man jemand, bei dem man sich vorstellen kann, dass er früher einmal schön gewesen ist. Die kleine Frau wirft ihr nicht vorhandenes Haar in den Nacken und lacht. Sie lacht über all die (statistisch bis auf zwei Stellen hinter dem Komma genau berechenbaren) Unwahrscheinlichkeiten und ihr sicheres Eintreten (früher oder später). Sie lacht über die entgleisenden Gesichter, während sie die Weichen stellt. Wer bin ich, und wie hättest du mich gern, fragt sie den kleinen Mann, und legt ihm den Finger auf den Mund. Hier endet die Geschichte und der Traum beginnt.