Fortschreiben und dann

Die Tür schließen und das Fenster öffnen. Erst das eine und dann. Gleichzeitigkeit kommt später und gewinnen war einmal. Es wird Frühling und das heißt, dass der Herbst längst vergessen ist. Mehrere Breitengrade nördlich. Aber von Geografie habe ich noch weniger Ahnung als von gutem Benehmen.

Vorwärts, rückwärts, seitwärts, ran. Ein Hut, ein Stock, ein Re-gen-schirm.

Und was nicht fließt, das tröpfelt.

Das schlechte Gewissen ist ohnehin immer dabei. Dabeisein ist alles. Immer wieder Aufstehen auch. Wer aufgibt, ist ein Spielverderber. Mir fällt nichts ein, darauf falle ich herein. Ich habe die Gabe eines kränklichen Gemüts. Immer auf der Suche nach großen Gesten.

Scherben aus gebrochenen Versprechen sammeln. Ein Versprechen und wie nah das am Sich versprechen liegt und von da ist es nur ein Buchstabensprung zum Verbrecher, der nicht notwendig ein Versager ist.

Es gibt einen Mann, der baut sich aus falschen Versprechen ein Haus. Und so weiter. Und so fort. Wir schreiben uns fort und das ist immerhin ein Anhaltspunkt, zu dem man zurückkehren kann.

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Automatisch in die Zukunft

 

Wir verhandeln über die Zukunft. Wir fühlen uns wunderbar. Sich einer Sache verschreiben und dann einen Schritt zurücktreten. Die Wahrheit in den Zwischenräumen suchen, oder sollte man sie besser nicht stören, bei ihrer Suche nach uns?

Was macht ein wahres Gespräch aus und wie viel Zweifel verträgt eine Demokratie? Ein selbstloses Feindbild von übergreifendem Verständnis. Der Traum, wieder schuldlos zu werden. Nachrichten – das, wonach wir uns richten.

Ich sammle Atemzüge, um sie später auszuwerten.

Verzweifeln Sie nicht an der Fahrlässigkeit einer unaufrichtigen Bewegung, und vergessen Sie bitte nicht, die Stühle hochzustellen, bevor Sie gehen.

 

Hoffnungen (automatisch)

Wir sammeln Verluste, tragen sie auf Karten ein, die unsere Wege vorgezeichnen. Warm haben wir es unter den Decken unserer kurzsichtigen Denkungsart. Globalisierte Verlierer, die sich immer wieder antäuschen lassen, ein Eindruck, ein Abdruck, ein Glanzpapier. Das Engagement und die bessere Welt nur einen Klick entfernt, endlich sind wir dabei. Bewegen und lassen uns bewegen, empören uns und kämpfen für eine bessere Welt, ohne dass es uns mehr kostet als einen Knopfdruck und ein bisschen Zeit. Weit oben am Himmel fliegen Hummeln. Hornissen fliegen aus Frau Sextons Mund. Eva nimmt Adam an die Hand und sagt: heute abend essen wir Fisch. Obst sagt man, sei ungesund, wie die Erkenntnis. Wer bleibt, verliert die Übersicht, wer geht nur die Aussicht (d.h. die Vorstellung vom stillstehenden Verlauf). Hoffnungen sind ausverkauft.

Rückseiten und Widersprüche

Der Tag bewegte sich vorsichtig an Deck. Der Tag hatte ein Leck. Leck wie lecker oder Loch, oder wie Widerspruch. Spürt ein Blinder die Musik, wenn er aus dem Fenster sieht? Was verändert sich, wenn jemand zurückkehrt? Ich kann mich nicht erinnern, wer mir die Märchen erzählt hat. Wer meine Märchen gezählt hat. Im Alter von zehn Jahren war ich bereits beneidenswert desillusioniert. Tatsachenfantasie müsste man haben, und den Glauben an die wahren Werte. Was ist Unerschütterlichkeit und wie unterscheidet sich die Einsicht von der Lüge. Die Luft und die Lüge und wie schwer das eine im anderen liegt. (wenn etwas liegt, kann man die Rückseite nicht sehen).

Die Grenze zur Harmlosigkeit

Alles was stattfindet, findet ohnehin statt. Findet mich, findet die Zeit. Findeisen. Wer war das noch? Spuren von Lippenstift auf dem Bettbezug. Man sollte die Dinge nicht so verbissen sehen, sich nicht festbeißen (und dabei spüren, wie der Angstschweiß ausbricht und man selbst bleibt da, weit davon entfernt, man selbst zu sein, dafür sichtbar). Jede der überlieferten Lügen wird wahr, sobald man sie ausspricht, (die Schmerzen sind gerade ziemlich unerträglich, es lohnt nicht, darüber nachzudenken. Reden wir nicht davon). Das Regelwerk besagt welche Dinge sich eignen, ausgesprochen zu werden. Wo die Grenze der Harmlosigkeit verläuft. Welche Buchstaben heute noch auf dem Papier landen, als wäre das eine gelungene Heimkehr nach einer langen ungewissen Reise (ich las viel und verstand wenig, je mehr ich las, desto weniger verstand ich). Die Schrift bleibt immer wachsam mir gegenüber. Irgendetwas daran wie die Buchstaben geschwungen waren, besänftigte mich, ließ mich zur Ruhe kommen, oder vielmehr die Ruhe zu mir. Wir hängten Bilder an die Wände. Jeden Montag hatten die Züge Verspätung. Wir häuften Erwartungen an. Gleichgültig warteten wir ab, was die Zeit von ihnen zurücklassen würde. Die Zeit beseitigt die Dinge nie vollständig. Es sind immer die lieblos verachteten Reste, die wir sehen, am Wegesrand, wenn der Blick dem vorgeschriebenen Weg plötzlich nicht mehr mit dieser Deutlichkeit folgt.

Fragen

Woher kommen unsere Gedanken und wer spült sie weg? Gibt es einen Weg und was wird aus dem Weg, wenn ihn niemand betritt? Sind Fragen auch dann noch Fragen, wenn niemand mehr nach Antworten sucht?

So gehen wir und die Zeit geht über uns hinweg. Das ist nicht neu, nicht originell, aber weh tut es doch. Und auf einmal, dieses eine Mal hat der Zweifel keine Macht. Nichts, das er der Gewißheit entgegenstellen kann, dass wir der Zeit egal sind. Dabei sind wir es, die die Zeit erfunden haben, oder? Und schon ist er da, der Zweifel. Mit seiner kleinen roten Nase, die ständig läuft. Auf dem Tahirplatz verkaufen sie jetzt Taschentücher und Mundschutz, es gibt verschiedene Modelle, die auch außerhalb des mit Tränengas verseuchten Platzes benutzt werden, als revolutionäre Accessoires.

Automatisch Schreiben im Wartezimmer (25.10.)

Wenn der Tag aber eine Frau ist. Auferstanden aus Ruinen. Wer flüstert, der lügt. Aber beständig. Glauben ist, worauf die Welt aufbaut. Ein Kind, ein Raum, ein Blick. Und wie immer wieder alles ganz anders ist. (anders als was?) Im Hintergrund – geflüstert – die Nachrichten. Diejenigen, die danach richten, sich vergeblich wieder aufrichten. Was ist der Unterschied zwischen Vergeblichkeit und Vergänglichkeit? (im Hintergrund ein Springbrunnen, im Hintergrund: ein Wunsch).

Der kleine alte Mann mit den überaus wachen, neugierigen Augen mir gegenüber. Im Wartezimmer mit fremden (automatischen) Flüstergeräuschen und Zimmerspringbrunnen. Ein verkümmerter kleiner Baum vor dem Fenster. Geräusche der Straßenbahn.

Automatisches Schreiben

Mein geteiltes Leben bedarf der Zerrütung. Eines Morgens erwachte Gregor Samsa aus unruhigen Träumen usw. Wer suchet, der findet. Hinter dem Fenster die Nacht. Etwas anderes lacht. Hat die Macht. F.M. spielte mit meiner Mutter Schach, bevor er sämtliche Habseligkeiten aus dem Fenster des vierten Stocks warf. Wir warten. Und wenn er kommt, dann laufen wir. Zerrhansel. Verspiegelt. Die Nächte im Mondlicht usw. Wer hat kann weiter. Der Kaffee ist fertig. Was nicth leicht wird, bleibt schwer.
Auf der Straße geht ein Herr mit einer silbernen Melone, in der Hand hält er eine halbe Zitrone. Vom Duft angelockt, begleitet ihn ein Alligator in gebührlichem Abstand. D.h. Anstand. Was Rückschlüsse zulässt auf seinen Zustand. Der Alligator leidet an Schlaflosigkeit. Der Mann leidet an sich selbst. Die Zitrone ist nur noch die Hälfte dessen, was sie einmal gewesen ist.