Blätter verlieren

Ich lese einen Essay von Joan Didion, Ulrike Draessner oder Olga Martynova und verneige mich vor den profunden Kenntnissen, die mir dort entgegenblitzen. Ich verneige mich insbesondere vor der Geduld, Gemeinsamkeiten zu erkennen und das Disparate im vermeintlich Gleichen aufzudecken.

Immer wieder versuche ich, mich mit mangelnder Bildung und mangelnden Kenntnissen herauszureden, wohlwissend, mit fehlt in allererster Linie die Geduld. Denn was an Wissen und Hintergrund notwendig wäre, lässt sich nachlesen. Wenn man nur beharrlich an einem Thema, einer Frage herumkaut, anstatt sie vorschnell auszuspucken, weil der Geschmack des Neuen vergangen ist.

Wie viel leichter ist es, ständig neue Ansätze zu versuchen, zu veröffentlichen und sich an der Zahl der Zugriffe zu berauschen, als würden sie etwas aussagen über den Gehalt des Geschriebenen.

Vielleicht ist der Herbst eine gute Zeit, alte Gewohnheiten abzuwerfen, wie die Bäume ihre Blätter, um etwas Neuem Platz zu machen, das freilich Zeit braucht, bis es – vielleicht – im Frühling, erblüht.

Das erste Blatt, das ich in diesem Sinne abgeworfen habe, weil es fade und farblos geworden war, ist mein Facebook Konto. Es fühlt sich richtig an und vielleicht werde ich die Geduld aufbringen bis zum Frühling zu warten, um zu sehen, welches neue Blatt an dieser Stelle austreiben wird.

 

Ich erzähl euch was, bevor ich geh…

ich kannte mal einen. er fuhr motorrad. er sagte: richtig schön ist es nur mit dir. er meinte das motorradfahren. ich sagte: ruf mich an. aber er rief mich nicht an. irgendwann traf ich ihn. seine augen leuchteten. sein mund hüpfte aufgeregt um seine finger. er war ganz außer sich vor freude, weil er mich wiedersah. warum hast du nicht angerufen? fragte ich. und er sagte: das telefon verändert die seele des menschen, so wie ein rock die beine einer frau.

Zaz – Je veux

 

(Bis Ende August werden keine Mützen mehr gefaltet)