100 Worte. 100 Tage. Tag 5

„Danach schien der Mond über dem Hafen und eine alte Frau mit wächsernem Gesicht lag bleich und starr in einem dunklen Fenster.“

Hertha Kräftner „Kühle Sterne“

Den Hafen hatte ich geliebt. Das Meer und die Schiffe, den Geruch nach Salz und Fisch, die Matrosen. Den Mond auch. Der Mond gehört immer und überall dazu. Jeden Abend bin ich dort gewesen. Aber dann, ich weiß nicht warum, hatte ich begonnen mich zu entfernen, die Straßen im Hafenviertel zu besuchen und dort sah alles ganz anders aus. Es war als hätte die Wirklichkeit den Traum ausgelöscht, als würde der Mond unvermittelt beleuchten, was tagsüber verborgen war. Die Entfernung war langmütig und aufschlussreich. Die Leidenden waren geduldig. Nur ich war immer noch ich. Jetzt ohne meine Liebe zum Hafen.