Wut

Neuerdings bin ich ständig wütend und es fühlt sich nicht einmal schlecht an. Ich bin wütend auf meine Familie, für die ich ständig unsichtbar bin, auf die Mitglieder der Gruppen zu denen ich gehöre, weil sie übereifrig flexibel jede Änderung begeistert abnicken. Ich bin wütend auf meinen Körper, weil er nicht so funktioniert, wie ich mir das vorstelle. Ich bin wütend auf meine Kolleg:innen, die alle viel erfolgreicher sind als ich und das nicht verschweigen. Ich bin sogar wütend auf den Schmutz, der sich in der Wohnung ansammelt, obwohl ich keine Energie habe, dagegen anzugehen. Ich bin wütend auf meine Listen, die immer zu lang sind, um sie wenigstens einmal komplett abhaken zu können.

Und dann, wenn ich das alles einmal wütend bedacht habe, freue ich mich, dass ich mich nicht mehr schäme für meine Wut und dass es in meinem Leben viel mehr Dinge gibt, über die ich mich freue, als diese paar Kleinigkeiten, über die ich neuerdings manchmal in Wut gerate.