(62)

Das gestrige Wunder des fast mühelos schreiben könnens hat sich mittlerweile vollkommen verflüchtigt. Es ist alles beim Alten. Das Wunder hat nur eine kleine Stippvisite gemacht. Mich hemmt das Schreiben auf der Tastatur. Vermutlich weil es früher diese Zweischrittigkeit gab. Erst notierte ich ganz unzensiert alle Gedanken, die mir unter den Bleistift kamen in mein Notizbuch, später dann übertrug ich nur diejenigen von ihnen, die ich für wertvoll genug hielt in die Dateien. Also soll alles, was ich jetzt und hier tippe bereits wertvoll sein. Es ist als dürfte ich nicht mehr zusammenhanglos schreiben. Als hätte ich mir die Erlaubnis zum fragmentarischen und ebenso zum Überflüssigen entzogen.

Lese Marlene Streeruwitz Poetikvorlesungen. Das Buch habe ich vor längerer Zeit bereits einmal angefangen, an einige Gedanken erinnere ich mich beim Wiederlesen. Manche Bücher brauchen ja einfach auch die richtige Zeit, um gelesen zu werden. Jedenfalls finde ich die Gedanken ungeheuerlich und gleichzeitig sehr einleuchtend. Sie bringen mich weiter, lassen mich eigene Fragen stellen und unterstützen mich, nicht sofort Antworten darüber zu legen.

5 Gedanken zu “(62)

  1. Ich hoffe, du erlaubst dir Zeit für die Umstellung der Schreibgewohnheit.

    Vielleicht gibt es ja bald einen Ordner auf deinem Rechner, wo Ungefiltertes Platz findet?

    Fällt mir ein, dass ich das früher hatte und irgendwie verlor, seit ich das private Blog habe. Könnte ich eigentlich auch wieder machen. Einfach nur Notizen, unzensiert. Vielleicht mit der externen Tastatur auf dem Tablet, um einen Unterschied zwischen Rechner und Tabletnotizbuch hinzubekommen?
    Vielleicht regt dich das an? Sonst einfach ignorieren.

    Ich wünsche dir noch viele Wunder!

    1. Genau das ist es, ich brauche einfach Zeit für die Umstellung. Und eigentlich ist es ja auch interessant, zu begreifen, welche Rolle auch die Medien (also Papier oder Rechner) spielen im Schreibprozess. Was die Wunder angeht … dass sich die Hand wieder etwas mehr fängt ist toll, jetzt bin ich aber vom Nesselfieber heimgesucht worden. Muss gleich versuchen noch einen Termin bei meiner Ärztin zu bekommen.

  2. Ich wünsche der Hand alles Gute und auch deiner Inspiration!! Streeruwitz, die Poetikvorlesungen kenne ich gar nicht. Muss ich unbedingt lesen. Ich mag besonders ihren früheren Stil, den von Partygirl – ein Buch, das mich über Jahre beschäftigt hat, wiewohl ich nicht mehr genau weiß, inwiefern … zu viele Jahrzehnte liegen dazwischen.

    1. Und ich will unbedingt Cioran lesen. Habe ich mir schon so oft vorgenommen. Die Häppchen, die ich von ihm aufschnappe, begeistern mich jedes Mal. Deine Leseliste ist übrigens beeindruckend.

      1. Besonders „Die Lehre vom Zerfall“ kann ich empfehlen. Cioran ist so pessimistisch, dass ich stets wieder in der Distanznahme zu ihm, wie exaltiert er alles verneint, gut gelaunt werde. Celan hat ihn übersetzt. Cioran ist teilweise sehr polemisch, kategorisierend und verallgemeinernd, wenn man darüber hinweg sieht, ist er sehr intensiv und inspirierend.
        In Sachen Lesen bin ich froh, dass ich so viele Anstöße, auch von deinem Blog bekomme – irgendwie und irgendwo muss diese Flut ja gefiltert werden, und so viel Zeit hat man ja nicht, alle Bücher anzulesen, zumal manche erst nach der Hälfte zu blühen beginnen. So bleibt es ein Abenteuer! Vielen Dank für deinen schönen Blog und viele Grüße!

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