(43)

Unruhiger, stümperhafter Schlaf. Schmerzen. Angst, dass das jetzt Jahr für Jahr bis zum Tod so weiter geht; Verlust von Kompetenzen, Zunahme der Schmerzen.

Weiter über Scham nachdenken. Gedanken und Handlungen strukturieren. Wenn alles schlecht ist: daran festhalten, es besser zu machen.

(39)

Lichter, die andere Lichter abbilden. Zeit, die von anderer Zeit aufgesogen wird. Das Sinnliche verwandelt sich in das Übersinnliche. (oder ordnet sich das Sinnliche dem Übersinnlichen unter?) Mein kleiner blauer Hut, den jemand (ein Geist?) mit Mut bezog. Sich dann davon machte (der Hut, der Geist? Beide?) und mich hervorbrachte als Vorstellung von etwas, das ich so nie würde verwirklichen können.

(38)

Sobald die Dinge begannen, moralisch anspruchsvoll zu werden, verwandelte ich mich in eine fiktive Gestalt. So konnte ich dumm und verwerflich handeln und es wurde als authentisch gerühmt, ohne mir zur Last gelegt zu werden.

(37)

Am Wochenende habe ich endlich eine Ausgabe von Kleists Werken in der Bib gefunden, in der sein Aufsatz „Über das Marionettentheater“ abgedruckt ist. Bei der Gelegenheit auch noch einmal „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ gelesen. Apropos Kleist. Im LK Literatur konnte die Stufe meines Sohnes zwischen drei Büchern wählen, Kleists Marquise von O., Remarques Im Westen nichts Neues und Brussigs „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“. Schriftstellerinnen gibt es weiterhin nicht in den Lehrplänen.

Was ich sonst noch lese: Deborah Levy „Ein eigenes Haus“, „Helm aus Phlox“ und Katrin Pitz „auch solche tage waren immer schon da“.

(36)

Irgendwann hatte es angefangen, ganz unbemerkt, dass Pflichten und unreflektierte Gewohnheiten ihr Leben zustellten. Nach und nach war immer weniger Zeit geblieben für Spontanität. Erst nannte sie es „ein ganz normales Bedürfnis nach Sicherheit“, später schob sie es auf das Alter. Es war nicht schön. Nicht angenehm. Aber sie konnte es sich erklären. Also kam sie damit zurecht.