(20)

Es ist so, dass ich mich zum Verschwinden bringe. Man könnte es mein Talent nennen. Alles, was ich tue, denke oder fühle, ist gekoppelt mit einem tief empfundenen Selbstzweifel, der schnell in Selbsthass umschlagen kann. Dann kommt mir mein „Talent“ zugute. Dann ist es gut, sich zum Verschwinden bringen zu können. Die Gewissheit zu haben, dass einen niemand bemerkt.

Langsam. Alles an mir ist langsam. Und gleichzeitig unberechenbar. Das ist keine Kombination, die ich mir freiwillig ausgesucht hätte. Aber nun ist sie da, bestimmt mein Leben und ich muss versuchen, so gut wie möglich mit ihr zurecht zu kommen.

Der kleine Mann aber, manchmal ist das Sohn 1, ein anderes Mal Sohn 2, nie aber eine Tochter, der kleine Mann also (der rein körperlich und in Zentimetern gemessen, sehr viel größer ist als ich), ist immer hungrig. Ich sehe ihm beim Essen zu und überlege, wonach ich hungrig bin. Mein Hunger bleibt ein Geheimnis. Das passt zu einer, die sich zum Verschwinden bringen kann. Das fällt sogar mir auf, das leuchtet mir ein. Und für einen Moment bin ich ganz im Reinen mit mir und der Welt. Dann verschwindet das Leuchten im Nebel. Und ich folge ihm.