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Nach Ende meiner letzten Lesung in diesem Jahr kam eine Frau auf mich zu. Ich bin unbekannt genug, um mich über jede Aufmerksamkeit seitens des Publikums zu freuen und naiv genug, zu glauben, derlei Aufmerksamkeit müsste mit meinen Texten zu tun haben. Die Dame wollte mich aber nur unbedingt wissen lassen, dass in dem von mir vorgestellten Impuls (wir sind 4 Lyriker:innen und arbeiten mit Impulsen, die wir auf unseren Lesungen ebenso vorstellen, wie die daraus entstandenen Texte) Sie wollte mich also wissen lassen, dass sie den Schauspieler des Films kennt. Der Sohn vom Bruder des Freundes, diese Art von Geschichte. Ich lächelte höflich. Ja, die Welt ist klein. Damals wusste ich noch nicht, dass diese Lesung die letzte des Jahres sein sollte. Damals war da noch die Hoffnung, dass die Welt vielleicht doch nicht so klein ist.