(44)

Die jungen Stimmen der alten Frauen

Ein völlig unverdient paradiesisch alltäglicher Tag

Heute morgen als ich das Fenster öffnete, die letzten Zuckungen einer Fliege auf der Fensterbank beobachtet. Natürlich musste ich sofort an die Duras denken und auch an diese Zeilen, die ich gestern erst gelesen habe bei Espedal. Vom Ernst, vom beängstigenden Schauer, wenn den Lebenden klar wird, Tod ist die endgültige Bewegungslosigkeit.

Die Berechnung hört auf. Und das Leben beginnt.

9 Gedanken zu “(44)

  1. Ich habe „Lieben“ von Espedal gerade in den Händen gehalten und dagegen angekämpft das Buch aus dem Buchladen zu entführen. Duras ist grossartig. ich suche immer noch nach dem Buch “ Schreiben‘ von ihr. Es ist einfach nicht zu bekommen.

    1. Espedal ist ein Phänomen. Er ist teilweise so pubertär, so pathetisch, und das dann so intelligent und beziehungsreich, dass es eigentlich nicht möglich ist. Er schreibt wirklich so, als wäre es ihm vollkommen egal, wer das liest. Absolut faszinierend.
      Schreiben habe ich lange gejagdt und dann glücklich seit ein paar Jahren in meinem Besitz. Ja, es ist sehr schwer zu bekommen. Ich wünsche Dir Glück, dass du es dennoch durch irgendeinen glücklichen Zufall bekommst.

      1. Unterstellt, ungekünstelt, das ist das mir zu Espedal als erstes einfällt. Nannte er es nicht das Strassenköter sein in der Literatur wagen? Man merkt seinem Schreiben seine Herkunft, die Härten, und das sich Herausarbeiten an, gepaart mit dieser Fähigkeit auf den Punkt genau formulieren zu können, atmosphärisch dicht zu schreiben. ehrlich, am Rand entlang, unbedingt.

    1. Ich habe das Gefühl, dass wir privilegierten Menschen in Wohlstandsnationen uns häufiger bewusst machen sollten, dass unser Wohlstand auf Kosten anderer „erwirtschaftet“ worden ist. Das wäre immerhin ein Schritt hin auf ein Gleichgewicht, wie es in meinem naiven Weltbild bestehen sollte.

  2. So schwierig das ist, aber wir haben unseren Luxus weder verdient noch nicht verdient. Wir sind halt reingerutscht. Damit meine ich nicht, dass wir nicht die Verpflichtung hätten, vergangenes Unrecht zu beseitigen. Aber wir haben es auch da, wo wir nicht profitieren. Wir sind nicht schuld. Wir sind da, es besser zu machen. Und ich weiß nicht, ob mein Tag in einer westlichen Großstadt bei allen Bequemlichkeiten, die mir bewusst sind, wirklich paradiesisch sind. Wenn ich an meine Rückenschmerzen vom vielen Schreibtischarbeiten denke, und an die Operationen, die irgendwann fällig sind, ist das weit weg vom Paradies.

    1. Es geht leider nicht lediglich um vergangenes Unrecht, sondern um das Unrecht, dass Tag für Tag weiterhin geschieht. Schuld ist sicher ein schlechter Begriff, auch eine schlechte Motivation, aber ich denke Verantwortung sollten wir endlich übernehmen.

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