Gewalt gegen Frauen

„Sobald Berichte über das Ausmaß geschlechtsspezifischer Gewalt erscheinen, sagen die Schlagzeilen: Die Zahlen in Bezug auf Gewalt gegen Frauen sind „alarmierend hoch“. Sie sagen: Es hat ein „epidemisches Niveau“ erreicht. Sie sagen: Es handelt sich um eine „globale Pandemie“. Sie sagen: Es ist katastrophal. Sie sagen: Sieben von zehn Frauen erleben früher oder später körperliche und/oder sexuelle Gewalt. Sie sagen: Weltweit stellen Vergewaltigung und häusliche Gewalt für Frauen zwischen fünfzehn und vierundvierzig Jahren eine größere Bedrohung dar als Krebs, Autounfälle, Krieg und Malaria zusammen.“ (Priya Basil „Im Wir Und Jetzt“, 2021, Suhrkamp)

Und es wird gefühlt von Minute zu Minute schlimmer, die Abtreibungsgesetze in Polen, gerade jetzt der Austritt der Türkei aus der Frauenschutz Konvention.

Seit langer Zeit sammle ich immer wieder Berichte, Bücher, Sätze zur Lage der Frauen, alles hat mit einem Pecha Kucha zur Stimme der Frauen angefangen. Seitdem lässt mich das Thema nicht los, und lässt mich ebenso wenig anfangen zu schreiben. Das Material ist einfach zu vielfältig. Es gibt so unfassbar viele Schieflagen und beinahe ebenso viele katastrophale Lagen, wenn es um Frauen, um Frauenrechte und speziell um dieses Thema der körperlichen Gewalt geht.

Die Zahlen sind erschreckend, die Schicksale fast unerträglich. Und es scheint alles bereits gesagt. Vielleicht schreibe ich aber in aller erster Linie deshalb nichts darüber, weil ich spüre, dass es keinen weiteren Text braucht, sondern Handlungen. Was können wir tun, wie können wir einander unterstützen und schützen?

8 Gedanken zu “Gewalt gegen Frauen

  1. Als ich meine Blogs (du kanntest zumindest die Fädenrisse) noch hatte habe ich immer wieder mal darüber gesprochen. Die letzten drei Monat Existenz der Fädenrisse auch von meiner Arbeit für eine Frauenhilfestelle. Fazit: Ich sage nichts mehr. Einige nichtbetroffene Frauen (so meine Erfahrung schließliche Erfahrung auf WordPress) fetischisieren das, finden, Gewalterfahrung sei eine Meinung, man hätte „Befindlichkeiten“ oder würde wen und wie auch immer zensieren. (Ja, so hab ich auch geguckt.)

    Machen könnte man einiges, dazu müsste es aber einen breiten Konsens geben, dass man Betroffenen glaubt, dass Betroffene entscheiden wann und was zu weit geht etc. So lange wie es keine ausreichende Solidarität gibt, weil man nur bereit ist solidarisch zu sein so lange es bequem ist, passiert da nicht viel. Egal ob offline oder online.

  2. Es gibt keine Gegenstrategie, da Frauen kein Gefühl der Solidarität füreinander kennen. Sorry, aber so ist es. Noch der ungebildetste Mann kann solidarisch mit seiner Firma, seiner Automarke, seinem Bierverlag, seiner Fußballmannschaft oder anderen männlichen Ungebildeten sein. Frauen können das nicht. Auch im alten Rom hielten die Sklaven nicht zu anderen Sklaven, sondern zu ihrer Herrschaft. Da lächelt die Herrschaft, lobt ihre Getreuen, zeichnet sie aus und herrscht weiter🙂

    1. Deshalb gibts auch keine Frauenhäuser für Frauen, weil es keine Solidarität zwischen den Frauen gibt und deshalb durfte Monika Hauser während des Krieges kein Zentrum vergewaltigte Menschen installieren, wo bis heute bosnische Frauen traumatisierten helfen. Schade, wäre schön. Dann gab es auch niemals Hausbesetzerinnen und Frauen die gegen den Krieg aufgestanden sind….

    2. So schwarz weiß ist die Welt, für die einen leider für die anderen zum Glück, nicht. Me too war doch hauptsächlich dadurch so ein großes Ding, weil Frauen anderen Frauen sofort geglaubt haben und dadurch andere Frauen den Mut fanden zu erzählen, was sie erlebt hatten, weil sie eben diese Erfahrung machen durften, es gibt jemanden, der hört uns zu, da sind Menschen, die uns glauben. Und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass es sinnführend ist, ein Geschlecht gegen das andere auszuspielen, es ist eher eine Frage, wie man sich gegenseitig bestärken und unterstützen kann, und da ist jede und jeder Einzelne gefragt, zu tun, was er oder sie eben kann. Aber politisch muss etwas passieren, damit die Strukturen sich ändern, wir können sie nur aufdecken und den Druck machen.

  3. Frauensolidarität ist das eine, und ich weiß, dass es sie gibt. Sie muss weiter wachsen, das ist klar. Ob die Politik imstande ist, Strukturen zu verändern? Es wäre wichtig und notwendig. Die Werbewirtschaft ist gefragt, die Schulen, die Ausbildungsinstitutionen in den Betrieben. Sexual awareness in jeder Sozialisierungsstufe, bis hin zum Arbeitsplatz.

    Das andere, aus meiner Sicht inzwischen wesentlich wichtigere ist: Von allen Männern muss mehr kommen. Von all jenen, die sittliche Werte und Normen und den respektvollen Umgang mit anderen Geschlechtern leben. Sie müssen „Aufschreien“, ihnen obliegt es, dafür zu sorgen, dass Prävention durch Proaktivität ersetzt wird. Es ist beschämend, dass es in der Hauptsache immer noch den Frauen obliegt, für die eigene Sicherheit zu sorgen. Männer müssen ihresgleichen erziehen, Respekt einüben. Sie müssen einschreiten und argumentieren, Bewusstsein schaffen und ggf. in ihren Zirkeln sexistisches Verhalten ansprechen, ausdeuten und verdammen. Wir brauchen männliche role-models, die eine auf gegenseitigen Respekt gründende Partnerschaft aller Geschlechterin sozialen und privatimen Dingen zu vermitteln in der Lage sind.

    Liebe Mützenfalterin, ich tue mich gerade sehr schwer, über dieses Thema etwas in meinem Blog zu schreiben. Dein Beitrag war der Auslöser für diesen Versuch. Einiges von meinem Kommentar wird in meinen Blogpost einfließen.

    Liebe Grüße

    Achim

    1. Ich bin sehr gespannt. und bin dir dankbar für diese klugen worte. es ist nur gemeinsam möglich, etwas zu verändern, das sehe ich genauso. und ja, es wäre schön, wenn männer sich zu vorbildern machen und einschreiten und argumentieren und aufschreien.

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