(26)

wind und knochen, feng und gu: die beiden bausteine, aus denen gedichte bestehen. das buch der lieder, schreibt der literaturkritiker liú xié im 6. jahrhundert, enthält sechs elemente, und das wichtigste von ihnen ist der wind. wenn ein text reich an farben aber ohne wind und knochen ist, die ihn in der luft halten, muss man ihn nur kurz schütteln, und seine schönheit wird auseinanderfallen. wenn eine schreibende dünn an ideen und fett an worten ist, fehlt es an knochen; wenn ihre ideen unvollständig sind und nicht vom boden hochkommen, fehlt es an wind. generationen chinesischer literaturwissenschaftlerinnen, schreibt elliot weinberger, haben versucht, herauszufinden, was wind und was knochen ist, aber das einzige, was liú xié ganz eindeutig dazu sagt ist das einzige, worauf alle sich einigen können, ist, dass die perfekte mischung aus knochen und wind, das perfekte gedicht, ein vogel ist.

(lea schneider, made in china)

10 Gedanken zu “(26)

  1. oh, vielen dank für’s teilen!
    das kommt mir ganz und gar wunderbar vor … erste assoziation, die dazu einschoss, war: „die knochen der sanftheit“ (anja utler) …

    danke!

    1. Ein ganz hervorragendes Buch, kann ich sehr empfehlen. Anja Utler liebe ich schon wegen ihrer wunderbaren Übersetzungen von Anne Carson. Sind die „Knochen der Sanftheit“ aus ihrem neuen Buch?

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