Tadeusz Dabrowski – Gedicht ohne Geheimnis

Schleusentechniker in der Weichselniederung sein,

auf einem unbedeutenden Kanalabschnitt,

mitten in der flachen Landschaft. Jeden Tag

mit dem Rad zu einem Betonhäuschen fahren,

kleiner als ein Zeitungskiosk. Durch das quadratische

Fenster die Auf- und Untergänge der Sonne

beobachten. Keine Ahnung von Kunst haben, wissen,

wo Hechte lauern und wo Aale. An

nebligen Morgen Tee mit Spiritus

trinken und dabei im Radio, das nur einen Sender

empfängt, hören, dass auf der Welt über

zehn Millionen Arten von Pflanzen und

Tieren leben, und es nicht glauben können, oder,

dass es Länder gibt, wo Menschen an Hunger

sterben, darüber ins Grübeln geraten, vergessen,

die Schleuse zu schließen. Einige Wiesen überschwemmen.

Und keinerlei Konsequenzen dafür tragen.

[weil es gerade so aktuell ist. Mein Lieblingsgedicht von ihm über seinen Vater reiche ich bei Gelegenheit nach]

(3)

Nacht für Nacht träumte ich die schönsten Bilder, von bahnbrechenden Erfolgen, unsagbar leidenschaftlicher Liebe, und genau in dem Moment, in dem der entscheidende Schritt hätte stattfinden sollen, fror alles ein. Wurde kälter und kälter, die Schneeflocken wurden zu Eiskristallen, die sich wiederum in eine kompakte Eisschicht verwandelten, bis da nur noch ein undurchdringliches Weiß war. Und die Kälte. Eine Kälte, die wahrer schien als jeder Traum.