24. Dezember 2020

Je n´ecris plus, ich schreibe nicht mehr, schreibt Fabienne Yvert in der Mütze #28, und Dagmara Kraus übersetzt es für Menschen wie mich, die des Französischen nur sehr sehr rudimentär mächtig sind. Und das Gedicht ist gerade sehr tröstend für mich. Weil ich mich fast aufgehoben finde darin. Weil ich selbst nicht schreiben muss, was ein anderer längst in Form gebracht hat.

Das schlimmste an diesem Jahr, außer der ständigen Sorge um diejenigen, die das Virus bekommen haben, noch bekommen können, mit nahezu übermenschlicher Kraft und ohne nennenswerte Anerkennung dagegen ankämpfen, ist, das ich meine Sprache verloren habe.

Es gab so viel Güte und Gutes, das mir widerfahren ist, und ich finde keine Worte Danke zu sagen. Ich bin nur maßlos erschöpft, und kann nicht einmal sagen wovon. Vielleicht davon, nicht angemessen Danke sagen zu können, dass es Freunde gibt, die zu mir stehen, auch wenn es mir lange Zeit nicht gut geht, dass der wunderbare Dincer Gücyeter meine Gedichte nicht nur in einem wunderschönen Buch in seinem fabelhaften Verlag veröffentlicht hat, sondern nahezu jeden Tag mutmachende und irgendwie erdende Sätze auf Facebook mit allen, die es brauchen, teilt, dass zwar einer meiner Söhne in Quarantäne gewesen ist, aber zum Glück negativ getestet wurde, dass meine Arbeitgeber, trotz aller Widrigkeiten, weil die Schauspielhäuser immer unter den ersten zu sein scheinen, die geschlossen werden, dennoch so unglaublich solidarisch sind, und meinen Arbeitsplatz, zwar in Kurzzeit, aber dennoch beharrlich erhalten.

Aber da sind die Nachrichten, da ist vor allem die große Lücke, einander nicht oder kaum sehen zu dürfen. Da ist eine große Sprachlosigkeit, und eine Hoffnung, die zwar nicht ganz stirbt, aber scheinbar immer schwächer wird.

Andererseits gibt es keinen Grund aufzugeben. Keinen Grund nicht dann eben still dankbar zu sein. Keinen Grund, die Worte nicht weiterhin zu suchen, und bis dahin zu lesen, welche wundervollen Worte andere schreiben und geschrieben haben.