3 Gedanken zu “Sternstaub

  1. Als fiktiven Text finde ich das schön und es gibt ein interessantes Bild, wo man (zumindest ich) weiterschauen mag.

    Wenn das etwas Reales ist, dann ist es eine gute Beobachtung, die man aber gegebenfalls – je nach Kontext aus dem sie kommt – hinterfragen muss. Die betroffenen Leute sind ja oft nicht so, weil das eben einfach so das Wesen der Legasthenie wäre, sondern weil man sie dahin „gebildet“ hat.

    Das wäre an einer Fiktion jetzt interessant, da könnte man jetzt realistisch erzählen wie diese fiktiven Charaktere dazu kommen, nur zu glauben, was sie buchstabieren können. Also wie solche Diagnosen auch systemisch gewollt entstehen, dass auf „Förderschulen“ eben nicht gefördert wird (Lehrpläne von 1980, wurde in NRW gerichtlich nachgewiesen), sondern Pseudo-Legatheniker:innen geschaffen werden, oder dass eben Menschen, die tatsächlich, vielleicht sogar durch irgendeinen organischen Grund, Legasthenie haben gleichwertige Bildung bei altersgemäß durchschnittlichem bis gutem oder hohen Intellekt versagt wird, weil man keine auditiven Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt, die Leute also bewusst ungebildet hält. Alles real und alles in einer Fiktion ein schöner Plot.

    Wenn du da was Fiktives gemeint hast, dann finde ich die Sprache dabei auch interessant und schön. Nicht zu schwer und eindeutig verständlich, aber doch so prosaisch, dass sich Betroffene nicht abgewertet fühlen würden. Es wird oft in sehr einfacher, kindlicher Weise über Legasthenik:erinnen oder andere Menschen mit Probleme beim Lesen geschrieben und wenn man mit betroffenen Leuten spricht, dann merkt man, dass viele sagen, sie fühlen sich von der Vereinfachung verlacht oder diskrimiert.

      1. Nichts zu danken. Es ist eine komplexe Sache, die man auch so betrachten muss. Es gibt die Leute, bei denen es tatsächlich durch kognitive Behinderung oder gestörte Prozesse der Verarbeitung im Hirn etc. vorliegt und das sind die Leute, die von Menschen, die nur sehr wenig Bescheid wissen meist verallgemeinert für alle gemeint sind. Das sind aber nicht alle, es gibt eben auch den sehr großen Teil, der handgemacht ist durch vorenthaltene Bildung und Aussonderung, Fehldiagnosen und Co. und dieser Teil darf nicht unsichtbar gemacht werden, denn der ist in sehr vielen Fällen eben nicht „dumm“ oder „checkt nix“ oder kennt nur Wortbedeutungen, von Wörtern, die leicht zu buchstabieren sind und was man immer denkt. Diesem Teil hat man es einfach nicht beigebracht flüssig zu lesen und zu schreiben (oder auch akustisch Wörter zu hören und dann richtig zu buchstabieren) und irgendwann ist das Zeitfenster dann zu. Angebote für Erwachsene wie Alphabetisierungskurse erreicht die Ziel oft nicht, und viele schämen sich halt auch, dann als vielleicht erwachsene Person zu sagen, dass sie eben Probleme damit. Meine persönliche Erfahrung mit Leuten, die tatsächlich eine valide Diagnose haben ist, dass sie nach Kräften versuchen keine Fehler zu machen und sich alles mögliche durch hören oder üben anzueignen, also auch große Wortschätze zu haben, damit sie eben nicht auffallen, weil das Stigma „Person liest schlecht, das muss heißen, Person ist kognitiv behindert“ so stark ist.

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