Sprachlosigkeit oder Fehler?

Im Grunde kann ich mir das alles gar nicht bis ins Letzte bewusst machen, was gerade passiert, nein, was schon ganz lange passiert, worüber nur gerade viel geredet wird. Sexismus, Diskriminierung, Antisemitismus. Und wie beschämend wenig dagegen getan wird. Und dann kann man noch nicht einmal darauf hoffen, von der Polizei beschützt zu werden, umso weniger je „verkehrter“ die Hautfarbe oder der Name ist. Weil die (auch nicht erst seit gestern) unterwandert ist, und man nicht wissen kann, wer da zu denen gehört, die wirklich noch Demokratie und Vielfalt und Recht vertreten, und wie lange sie sich noch halten können. Sprechen kann man aber auch nicht darüber, weil sich dann ständig jemand, den man vielleicht mitmeinte, vielleicht aber auch tatsächlich übersehen hat, ausgeschlossen, verletzt und diskriminiert fühlt, und man unversehens selbst auf der Seite der Angeklagten steht. Vielleicht liegt es daran, dass wir noch keine angemessene Sprache gefunden haben, wie ein Artikel in der SZ von heute nahelegt, vielleicht ist aber auch dieses ungesund hohe Erregungsniveau verantwortlich, das fruchtbare Auseinandersetzungen immer unmöglicher macht.

Ich mag in diesem Zusammenhang sehr, was Sharon Dodua Otoo bereits in ihrer Rede zu den diesjährigen Bachmanntagen gesagt hat, und was sie in der Süddeutschen Zeitung noch einmal betont:

„Mein Wunsch wäre“, wird sie dort zitiert, „dass wir achtsam mit Sprache umgehen, wohlwollend auf Fehler hinweisen, und dass die anderen wohlwollend sagen: Oh, Verzeihung. Das wusste ich nicht. Das ist ein kollektiver Prozess, der dauern und voller Widersprüche sein wird, aber wie sollen wir es anders machen?“