Ein paar Sätze über Bücher

Ich habe das schon letzten Monat gemacht, manchmal lese ich Bücher, die ich nicht bespreche, einfach so zum Vergnügen und aus Neugier, und manchmal möchte ich dann dennoch ein paar Worte darüber verlieren. Und das tue ich jetzt hiermit:

David Wagner hat mit „Der vergessliche Riese“ einen Familienroman der besonderen Art geschrieben. Hier verbindet sich eine Erzählung über die fortschreitende Demenz des Vaters mit Zeitgeschichte, neben einer berührenden Vater-Sohn Geschichte wird aber auch eine Geschichte von Bonn und Bayreuth, von Musik und Patchwork Familien erzählt. Nicht zuletzt ist der jüngste Roman David Wagners ein Buch dem die Frage zugrunde liegt, was eigentlich Erinnerung ist, und was Geschichte, zumal Familien – und Lebensgeschichte.

Der Sohn wird zum Vater eines „vergesslichen Riesens“, der sich plötzlich im „Waisenhaus für alte Kinder“ wiederfindet. David Wagner versteht es meisterhaft, die unterschiedlichen Fäden zu einem dichten Ganzen zu verweben, in dem es naturgemäß auch um die Geschichte der Generationen zueinander geht. Vergessen und Erinnern erhalten hier eine Bedeutung, die ausgehend von der Vergesslichkeit des Vaters, auch geschichtliche Ereignisse und ihre Verdrängung, oder die mehr oder weniger gelungene Verarbeitung umfassen. Letztendlich ist es ein Roman über alles, was das Menschsein und unser Leben ausmacht. Über Erinnerung und Erfindung. Und wie die Liebe alles verbindet.

Christian Baron – Ein Mann seiner Klasse

Eine ganz andere Vatergeschichte erzählt Christian Baron mit „Ein Mann seiner Klasse“. Als deutsches Pendant zu Didier Eribon, Edouard Louis und Annie Ernaux, erzählt auch Baron von der Herkunft aus der Arbeiterklasse. Wie Louis fragt er gegen Ende des Buches, wer seinen Vater eigentlich umgebracht hat, denn beide Elternteile wurden nicht sehr alt. Die Mutter stirbt früh an Krebs, da ist Christian Baron gerade 12 Jahre alt, sein Bruder ist ein Jahr älter, die beiden Schwestern viel jünger.

Baron, der als Redakteur bei „der Freitag“ arbeitet, versucht die Schrecken eines durch Alkohol und Gewalt bestimmten Alltags mit der heilen Welt der Popsongs zu kontrastieren. Zu Anfang gelingt das recht gut, nutzt sich dann aber schnell ab. Der Roman leidet unter einer Anhäufung von Metaphern. Dinge, die im Journalismus funktionieren, in der Literatur aber nur bedingt. Was bleibt ist eine erzählenswerte Geschichte, die leider nur von außen sichtbar wird.

Was Insa Wilke völlig zu Recht der diesjährigen Bachmanpreisträgerin Helga Schubert bescheinigte, nämlich Lebensgeschichte in Literatur verwandelt zu haben, gelingt hier nur ansatzweise.