Krieg und Sprache

Krieg ist ein organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt, an dem planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind. 

So Wikipedia

Ich habe das nachgesehen, weil für mein Gefühl viel zu häufig, und vor allem viel zu unüberlegt und leichtfertig, das Wort „Krieg“ bemüht wird. Wir führen Krieg gegen das Virus. In uns tobt ein Krieg. Die Verhandlungspartner strecken die Waffen usw. usf. Es gibt unzählige Beispiele. Und das in einem Land, das viele (zu wenige, aber doch viele) Menschen beherbergt, die den Krieg, den tatsächlichen, nicht metaphorischen Krieg, am eigenen Leib erlebt haben. Bomben, die Häuser zerstören, Familienmitglieder, die unter den Trümmern begraben werden, Hunger, Flucht, Gewalt. In Ausmaßen, die – zumindest ich – mir nicht vorstellen kann. Für mich ist es eine Frage des Respektes, das Vokabular abzurüsten. Eine Entscheidung, die zwangsläufig dazu führt, dass ich mir über meine Privilegien klar werde, in einem Land zu leben, das so lange nun schon keinen Krieg mehr erlebt hat. Nicht Tag für Tag gegen Rassismus kämpfen zu müssen, oder dafür, dass ich eine bestimmte Religion ausübe. Sondern frei zu sein, mir derartige Gedanken zu machen. Und dann möglichst friedliche und hoffentlich dennoch wirksame Konsequenzen daraus zu ziehen. Wut und Widerstand gehen nämlich auch auf friedliche Art und Weise. Es gibt Beispiele. Auf die sollten wir uns vielleicht häufiger besinnen.