Auflösung

Ich bin das nicht passende Teil im Gesamtbild. Ich bin auserzählt. Gefangen in einer Lüge, von der ich hoffe, jemand löste sie auf, in bunte Fäden. Und dann.

Ich bin ein Platzhalter. Für den Verlust. Und die zugrunde gegangene Wut. Für die scharfen Kanten einer vermeintlich runden Welt. Für die Rückhaltlosigkeit der Trostsuchenden. Für das Austherapierte einer kranken Welt.

Abbruch

Nein, ich will nicht. Ich sagte das jetzt immer häufiger. Natürlich nicht laut. Nur zu der Stimme in meinem Kopf. Oder sagte es die Stimme in meinem Kopf zu der, die ich für mich hielt?

Ich verlief mich nicht mehr in meinen Gedanken, weil sie allesamt abbrachen, irgendwo mitten auf dem Weg, nicht einmal vom Weg abkamen, sondern einfach verreckten, endeten, so absolut, als wäre nichts gewesen, kein Brotkrumen vom Weg bis zu diesem Abbruch blieb zurück. Die fraß in atemberaubender Geschwindigkeit die Zeit, der Hund, der Zweifel. Ist auch egal, wie man es nennt, nur schnell muss ich dem einen Namen geben, weil sonst, wie gesagt…

Verwechslung

Wir verlegten die Angst, wenn uns alles zu viel wurde. Wir sind verlegen, sagten wir dann. Und wollten vielleicht auch gar nicht merken, wie wir uns mit unserem Verrat an uns selbst verwechselten. Wir wechselten dann einfach die Stadt, den Standort, den Freundeskreis

Der Kern

Als wäre es eine Lösung, sich mit du anzusprechen, wenn man das ich vermeiden will. Jeder Mensch ist eine Zwiebel. Mehrere Schichten Haut und darunter noch mehr Haut, immer verletzlicher, aber standhaft im Versuch irgendeine Art von Schutz zu bieten. Und darunter, in unendlicher, unerkannter Einsamkeit, der Kern.

Ich weiß nicht, was ein Kern ist. Ich verliere mit jedem Tag die Eindeutigkeiten. Verliere mich? Wer bin ich? Wer bist du denn? Die Frage der selbsternannten, sogenannten Autoritätspersonen. Vielleicht wissen sie selbst nicht, was das bedeuten soll.